Salt and Sanctuary

Salt1

Action-Rollenspiel-Platformer für Playstation 4, PC & PS Vita von Ska Studios.

Eine verwunschene Insel, eine entführte Prinzessin und ihr gestrandeter Recke. Abscheuliche Folterkammern, entweihte Tempelruinen und verfluchte Wälder. Grässliche Kreaturen, tückische Fallen und der allgegenwärtige Tod. Und zwischen all diesem Leid, allen Widrigkeiten zum Trotz, der unbändige Wille, die Gefahren dieser lebensfeindlichen Welt zu überstehen. Das ist Salt and Sanctuary, das kürzlich im Playstation Store erschienene Spiel von Ska Studios.

Nicht nur in seiner melancholischen Dark Fantasy-Welt erinnert Salt and Sanctuary stark an die Dark Souls-Reihe, über die Fettbärte mit zu viel Zeit für Videospiele (wie yours truly) seit Jahren einfach nicht die Klappe halten können. Von vorneherein wurde es von seinen Entwicklern als Liebesbrief an diese Reihe präsentiert. So ist es auch wenig verwunderlich, dass das grundlegende Spielprinzip nahezu identisch ist: Der Spielercharakter wird für die Überwindung der zahlreichen Monster mit deren Seelen (hier: Salz) belohnt, mit deren Hilfe er am nächsten Leuchtfeuer (hier: Sanctuary) seine Fähigkeiten verbessern kann. Sollte er beim Weg durch die kreuzgefährliche Welt jedoch draufgehen, verliert er sein Salz, startet beim letzten Sanctuary neu, das Level setzt sich zurück und er hat nun einen Versuch, sich das verlorene Salz von seinem Schlächter zurückzuerobern. Dabei kann er auf eine Reihe von Kampftechniken und Gegenständen zurückgreifen, die er im Verlauf des Spiels nach Belieben aufwerten kann. Ein Dark Souls-Veteran fühlt sich sofort zuhause.

Der Clou von Salt and Sanctuary ist jedoch (und da widerspreche ich den Stimmen, die es einen billigen Abklatsch schimpfen) die Übertragung dieses Spielprinzips zurück auf das Design eben der Spiele, die die ursprüngliche Inspiration für Dark Souls bildeten: Es ist nämlich ein zweidimensionaler Platformer, womit es ebenso viel mit Klassikern wie Metroid oder Castlevania gemein hat. So wie diese Vorbilder bietet Salt and Sanctuary eine riesig große, komplex ineinander verschachtelte und miteinander verbundene Welt, die der Spieler beliebig durchstreifen kann. Immer wieder wird er jedoch auf ein Hindernis wie einen gähnenden Abgrund oder eine hohe Mauer stoßen, die er erst später durch besondere Fähigkeiten wie Wand- oder Doppelsprünge überwinden kann. Dabei kann die schiere Größe der Welt nicht genug betont werden: In der Weitläufigkeit und Vielseitigkeit der Areale, der Menge kreativ gestalteter Geschöpfe und versteckter kleiner Winkel und der Anzahl furchterregender Boss-Monster steht Salt and Sanctuary für seinen bescheidenen Preis von 17,99€ einem Vollpreis-Dark Souls in Nichts nach.

Verblüffend gut funktioniert auch die Übersetzung der Spielmechaniken in den zweidimensionalen Raum. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit in Tastenbelegung und Timing weicht man den Angriffen der Feinde durch Kampfrollen aus, blockt sie mit einem schweren Turmschild oder pariert sie zum richtigen Zeitpunkt, um mit einem vernichtenden Gegenangriff zu kontern. Man verwundet den Gegner mit vergifteten Dolchen, schlägt ihn mit einem riesigen Hammer zu Boden oder löchert ihn aus der Distanz mit Pfeilen oder Pistolenschüssen. Man vertraut auf eine gute Rüstung oder geht mit herbeigezauberten Feuerbällen in die Offensive. Die Kämpfe folgen dabei stets der gleichen „hart aber fair“-Philosophie, erlauben dem Spieler aber ein breites Spektrum an Optionen und Herangehensweisen. Die zahlreichen Bosskämpfe des Spiels sind wie eine Abschlussprüfung, die einem alles abverlangen und keine Toleranz für achtloses Rumgehacke zeigen.

 

Salt2

 

Die künstlerische Gestaltung der Welt und ihrer Bewohner ist für den Spieler von heute ungewohnt, aber oftmals einfach nur hinreißend schön, wenn auch düster und makaber. Albtraumhafte Wesen wie die Queen of Smiles vereinen die besten Eigenschaften aus Märchenbüchern und Horrorgeschichten. Während ihre Schergen noch gewohnte Zombies und Skelette sind, so werden die Gegner immer abgefahrener, je tiefer man in die Ruinen dieser Insel hinabsteigt. Bei vielen Anblicken möchte man gleichzeitig amüsiert kichern und sich vor Angst unter der Bettdecke verstecken. Die Charaktere und Landschaften sind alle von Hand gezeichnet, was dem Ganzen den Charakter eines verstörenden Bilderbuches verleiht. Dabei sorgen die Kreativität und der Abwechslungsreichtum der Designs dafür, dass das Spiel trotz all der Frustration nie eintönig wird.

Es gibt viele Geheimnisse zu entdecken: Die wirre Vergangenheit der Insel und die weder räumlich noch zeitlich zusammengehörig scheinenden Überreste der Zivilisationen darauf werden im Laufe der Handlung nur durch Fragmente von Beschreibungen und Dialogen beleuchtet. Die unterschiedlichen Fraktionen, denen sich der Spieler anschließen kann, die Gegenstände, die er erschaffen und benutzen kann und die Wege, die er beschreiten kann werden kaum erklärt: Learning by doing ist die Devise. Hinter jeder Ecke kann sich eine Abkürzung zum nächsten Sanctuary, ein von einem furchterregenden Ungeheuer bewachter Schatz oder ein gänzlich unbekanntes neues Areal verbergen.

Umso beeindruckender ist jedoch, dass all diese Arbeit über den Zeitraum von 3 Jahren hinweg von einem kleinen Entwickler wie Ska Studios gebuckelt wurde. Hinter diesem Namen verbirgt sich nämlich lediglich ein Ehepaar, das diese letzten paar Jahre geopfert hat, um in detailverliebter Fitzelarbeit ein Videospiel zu erschaffen, welches seinen Vorbildern den angemessenen Tribut zollt, diesen aber auch absolut ebenbürtig ist. Und diese Dimension von Hingabe sollte auch belohnt werden. Fans wie mir versüßt es die Wartezeit auf das neue Dark Souls, aber auch Metroid- oder Castlevania-Freunden kann ich diesen Titel nur empfehlen. Für den kleinen Preis wird man nämlich mit einem Höllenritt von 25-30 Stunden belohnt, nach dem selbst die größten Assassin’s Creeds und Call of Duties mit ihren 100-Millionen-Dollar-Budgets irgendwie grau und lustlos hingerotzt wirken.

Nichts als Respekt und eine dicke Kaufempfehlung.

Advertisements

3 Gedanken zu “Salt and Sanctuary

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s