Batman v Superman: Dawn of Justice

dawnofjustice

Superhelden-Epos von Zack Snyder.

Nach der Superman-Neuinterpretation Man of Steel (2013) läuft nun der lang erwartete Start der Milliarden-Dollar-Franchise-Maschine an, die die diversen Superhelden aus dem DC-Universum in Form der Justice League zusammenbringt. Das Missionsziel: Die Formel von Marvels Avengers-Gelddruckerei auf die Popkultur-Ikonen Batman und Superman zu übertragen, um so eine Art Profit-Singularität zu erschaffen, die früher oder später die ganze Welt mit gebrandeten Actionfiguren und Pausenbrotbüchsen zupflastert.

Wie Snyder-Kenner bereits wissen, ist das Filmuniversum unserer DC-Haudraufs wesentlich düsterer als der spaßige Abenteuerspielplatz von Marvel. Seinen Superman (Henry Cavill) plagte schon 2013 das Gewissen über die moralischen Implikationen seines Geprügels. Die Trailer machten bereits früh klar, dass das geistige Vorbild dieses neuen Films eher Frank Millers The Dark Knight Returns als die idyllischen Superfriends sind. Wer also leichtherzigen Humor erwartet, wird hier auf jeden Fall enttäuscht: Unsere ulkig angezogenen Figuren brüten mit grimmer Stirn über Vigilantismus, Machtgefälle und Kollateralschäden an der zivilen Bevölkerung. Wäre dieser Film vor 20 Jahren erschienen, wäre er dafür ausgelacht worden. Heute meint man das tatsächlich ernst, weshalb ich dem Streifen diesen düsteren (und manchmal arg prätentiösen) Ton auch nicht unbedingt zum Vorwurf stricken möchte: Man distanziert sich vom selbstironischen Spektakel Marvels und orientiert sich am Melodrama und dem Götterkult des Dark Age of Comic Books, was ja zumindest bei Nolans Batman-Trilogie ganz gut geklappt hat.

Dennoch hat dieser Film einen Haufen Probleme. Der erste Akt hat ein sehr holpriges Tempo, Szenen kommen und gehen ohne eindeutige Struktur. Man versucht, viel Handlung – uneben gewichtet – in wenig Zeit zu verpacken. Was vielleicht der größte Makel des Projekts ist: Es will zu viele Dinge gleichzeitig sein. Auf der einen Seite haben wir eine Story über den Zweifel und Fall des Superman, auf der anderen einen Rache-Plot Batmans, auf der dritten Seite einen Film über Lex Luthor und seine neue Superwaffe, auf der vierten den Start der Justice League durch die Einführung möglichst vieler Figuren und eines übergeordneten Metaplots auf möglichst kleinem Raum. So fühlt sich das ganze Unterfangen bis kurz vor dem großen Finale unnötig durcheinandergewürfelt und gehetzt an. Hier hatten wohl bis zum Schluss diverse Autoren, Marketing-Menschen und Studio-Chefs unterschiedliche Vorstellungen davon, was dieser Film nun eigentlich sein soll.

Aber natürlich sieht man sich etwas mit dem Titel „Batman v Superman“ nicht an, um eine sorgfältig komponierte Handlung bestaunen zu können. Uns wird – nicht zuletzt auch vom Bösewicht selbst – ein Gladiatorenkampf versprochen. Der eine Kampf, auf den du und all deine Sandkasten-Kumpels schon ihr ganzes Leben lang gewartet haben. Und wenn es dann zur Sache geht, strahlt Zack Snyders Fimmel für rabiate Musikvideo-Bilder: Unsere Superhelden setzen ihr ganzes Arsenal in einem unglaublichen Spektakel ein. Trotz all der großen Blockbuster mit ihren Namen drauf haben wir weder Batman noch Superman je so beeindruckend ihr Ding machen sehen.

 

dawnofjustice2

 

So schenkt uns dieser Film auch nicht zuletzt einen genialen Batman: Ein grau melierter Ben Affleck spielt hier den in die Jahre gekommenen Veteran der Straßen Gothams als stoischen und brutalen Selbstjustiz-Pragmatiker, gebrochen von zwei Jahrzehnten des Kampfes gegen menschlichen Abschaum. Affleck – zu Beginn vom Internet kritisch beäugt – ist der vielleicht beste Teil des Films. Während alle vorherigen Kino-Batmans zumindest für mich häufig nur gute Bruce Waynes (Kilmer, Clooney) ODER Batmans (Keaton, Bale) zu sein schienen, bringt er sowohl den smarten Sex-Appeal des Multimilliardärs als auch den furchterregenden Zorn (und den breiten Unterkiefer!) des Dunklen Ritters überzeugend auf die Leinwand. Dazu kommt Jeremy Irons als ein alter, zynisch-verbitterter Alfred, der sich sarkastische Wortgefechte mit seinem Master Wayne liefert. Wenn das Justice-League-Franchise mehr davon verheißt, bin ich schon mal 100% mit an Bord.

Die versprochene „Dawn of Justice“ soll durch die Einführung von Figuren wie Wonder Woman (Gal Gadot) die kommende Karrenladung an DC-Filmen einläuten. Leider scheinen diese Helden ganz klar ein Nachgedanke der Autoren gewesen zu sein, zumindest bekommen wir hier kaum etwas von ihnen zu sehen. Damit fühlt es sich tatsächlich wie das Geködere der Comics an: Wenn ihr mehr von dieser Figur sehen wollt, müsst ihr wohl das Spinoff-Produkt kaufen. Zumindest Gadot stiehlt jedoch jede einzelne Minute, in der wir sie zu sehen bekommen, unter der Nase der großen Stars weg. Sie ist nicht einfach nur ein hübsches Püppchen, sondern ein absolut legitimer Badass.

Neben den Cape-Trägern haben wir natürlich auch einen Superschurken, hier in Form eines drastisch neu konzipierten Lex Luthor. Jesse Eisenberg wurde eindeutig aufgrund seiner Rolle als Facebook-Gründer Zuckerberg in The Social Network (2010) als junger, exzentrischer Upstart-Office-CEO gecastet. Daran scheiden sich die Geister, ich freu mich aber über frischen Wind in den Knochen eines Charakters, der über die Jahrzehnte ganz schön fade geworden ist. Eisenberg bringt eine manische Energie ans Set, die man sich gerne anschaut. Dabei wollen wir schon fast das lustlos zusammengepanschte Design des anderen großen Widersachers im letzten Akt verzeihen.

Batman v Superman will viele Dinge auf einmal sein – wenn man das Material in zwei oder drei Filme aufgeteilt hätte, wären die aber alle wirklich gut. So wirkt es allerdings manchmal ein wenig wie ein hibbeliges Kind in der Spielzeugabteilung, das gar nicht weiß, welche Figuren es zuerst ineinander kloppen will. Aber verdammich, wenn ich nicht den Spaß meines Lebens dabei hatte, diesen Titanen meiner Kindheit bei der Arbeit zuzuschauen. Das Finale ist eine der besten Umsetzungen theatralisch-brachialer Comic-Gewalt, die ich jemals gesehen habe. Zudem ist es die wahrscheinlich beste Adaption von Frank Millers The Dark Knight Returns, die wir in unserem Leben bekommen werden. Und allein dafür hat sich der Eintritt schon mehr als gelohnt.

Advertisements

3 Gedanken zu “Batman v Superman: Dawn of Justice

  1. Pingback: Kritik: Batman v Superman – Dawn of Justice | filmexe

  2. Toll geschrieben. Muss über weite Strecken zustimmen: Snyder hat sich vorgenommen, vielleicht etwas zu viel in einem Film unterzubringen. Das hab ich schon befürchtet, als die ersten Details zu BvS bekannt wurden. Trotzdem muss ich sagen, dass er es besser und stimmiger hinbekommen hat als ich gedacht hätte. Und auch wenn ich nicht immer die Philosophie „länger ist besser“ teile, bin ich doch zuversichtlich, dass der Director’s Cut um einiges runder sein wird (auch ich fand die Kinofassung nicht ganz stimmig). Das hat Snyder ja auch schon mit Watchmen unter Beweis gestellt.

    Apropos Watchmen: Ich bin richtig glücklich, dass Snyder wieder mit dem Kameramann von Watchmen zusammengearbeitet hat. Ich LIEBE diese unverkennbare Optik einfach.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s