Dark Souls 3

Dark Souls 3

Action-Rollenspiel für PS4, Xbox One und PC von From Software.

Das Team rund um Chef-Designer Hidetaka Miyazaki legt nun den dritten und (angeblich) finalen Teil der Dark-Souls-Reihe vor. Wer von dem knackigen, aber fairen Schwierigkeitsgrad der Spiele nicht sofort abgeschreckt wird, mutiert über kurz oder lang zu einem Junkie auf der Suche nach dem nächsten Kick: Der Adrenalinrausch des nächsten Bosskampfes gegen gewaltige Dämonen und Drachen, die jauchzende Freude über das nächste Leuchtfeuer nach einer unüberwindbar scheinenden Herausforderung und die melancholische Ruhe der zu Ruinen und Schatten zerfallenen Spielwelt lassen andere Videospiele irgendwann fad und belanglos wirken. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken. Vergessene Königreiche warten darauf, dass ihre unaussprechlichen Geheimnisse entschlüsselt werden. Fürchterlichen Kreaturen muss Einhalt geboten werden. Aber kann Dark Souls 3 mit seinen Vorgängern mithalten?

Während die vorherigen Dark Souls-Teile alle durch die Überbleibsel vergangener Zivilisationen führten, ist der Ton dieses Spiels das erste Mal explizit postapokalyptisch: Nach unvorstellbaren Jahrtausenden eines zerstörerischen Zyklus ist nur noch Asche und Verzweiflung übrig: Es liegt nun am Spieler, die letzten glimmenden Funken längst vergangener Größe zu neuem Leben zu entfachen – oder die Welt ein für alle Mal in Finsternis versinken zu lassen. Nach einer kurzen Einführung gelangt man in den zentralen Schrein, von dem aus man den Rest der Welt auf der nur vage definierten Suche nach den Seelen der Aschefürsten bereist. Insofern bietet Dark Souls 3 bekannte Kost: Man kämpft sich Stück für Stück durch tückische Areale, stets auf der Suche nach dem nächsten Leuchtfeuer oder Bossgegner.

Es hat sich jedoch ein großer Wandel im Weltendesign vollzogen: Während die beiden ersten Teile dem Spieler viel Freiheit in der Erforschung der verschachtelten Spielwelt ließen, ist dieser Teil eher linear: Es gibt einen recht deutlich gekennzeichneten kritischen Pfad, der sich aber immer wieder in optionalen Nebengebieten verästelt. Dabei führt die Reise des Spielers regelmäßig auf Aussichtsplattformen, die einen guten Blick auf die anderen Stationen des Spiels erlauben und so der Spielwelt ein reales Gewicht verleihen. Auch wenn es insgesamt weniger Areale als zum Beispiel in Dark Souls 2 gibt, sind diese dafür wesentlich größer und komplexer. Immer wieder kehrte ich in bereits erforschte Gebiete zurück, nur um ständig neue Schätze, Geheimnisse und sogar Pfade in völlig neue Gebiete zu entdecken. Dark Souls 3 erbt nicht nur das geniale Level Design seiner Vorgänger, sondern setzt noch ordentlich einen drauf: Die verwinkelten Burgen, weitreichenden Sumpflande und düsteren Katakomben sind allesamt mit einem liebevollen Auge fürs Detail zusammengesetzt worden. Dark Souls 3 hat das vielleicht beste Level Design, das ich jemals in einem Rollenspiel gesehen habe.

Natürlich scheint auch wieder das tolle visuelle Design der furchterregenden Welten und Monstren, durch die sich unser tapferer kleiner Spielercharakter bewegt: Nicht nur die größten Favoriten aus den Vorgängern sind alle wieder da (Achtet auf atmende Schatztruhen, dankt mir später) – es gibt auch viele neue abscheulich-groteske Viecher zu bestaunen. Dabei möchte ich vor allem die Bosse lobend erwähnen: Während viele Fans der Reihe Dark Souls 2 dafür kritisierten, dass ein Großteil dieser Kämpfe Duelle gegen diverse Ritter waren, gibt es hier Monster der unterschiedlichsten Gestalten und Größen zu bestaunen. Diesen begegnet man im Idealfall nicht mit tumbem Losgedresche, sondern muss vorsichtig und analytisch ihre Bewegungen auf Gefahren und Schwachstellen untersuchen. Vorsichtiges Beobachten ist auch die Devise für den Rest des Spiels: Fiese Hinterhalte und tückisches Terrain erschweren den Fortschritt und dürfen niemals nachlässig abgetan werden, wenn man an seinem Leben hängt.

 

Dark Souls 3b

 

Zum Überwinden dieser Gefahren wird dem Spieler ein riesiger Baukasten aus Waffen, Schilden, Zaubern, Rüstungen und Verbrauchsgegenständen zur Verfügung gestellt. Es ist nicht nur die bislang breiteste Palette der Souls-Reihe, sondern bringt auch die coolsten Gegenstände aus der Vegangenheit zurück. Neu ist, dass jede Waffe einen speziellen Kampftrick hat, der mit einem Druck auf L2 für eine kleine Menge Energie-Punkte ausgelöst werden kann. So hat der Spieler hunderte Möglichkeiten, mit den harten Kämpfen umzugehen. Die Gelegenheit zum Umskillen ist zwar gut versteckt, aber jederzeit erreichbar. Dadurch wird viel Raum zum Experimentieren geboten. Am Grundsystem der Kämpfe wurde jedoch wenig verändert. Nur das Tempo wurde ein wenig hochgeschraubt, womit es nun irgendwo zwischen Dark Souls 2 und Bloodborne an einem angenehmen Punkt zwischen taktischer Planung und schnellen Reflexen sitzt.

Neben der Vielzahl an todbringenden Monstern gibt es natürlich auch wieder diverse NPCs, die dem Spieler helfen, indem sie ihm Gegenstände verkaufen, ihn Zauber lehren oder direkt bei schweren Kämpfen unterstützen. Dabei gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Gestalten, sondern die meisten und obskur komplexesten Questlinien der ganzen Reihe, die wie immer leise im Hintergrund statt in einem expliziten Questlog vonstatten gehen. Diese können unmöglich alle in einem einzigen Durchlauf gesehen werden, womit das Spiel zu mehreren Playthroughs mit neuen Charakteren oder im New Game+ einlädt.

Von helfenden Händen gesprochen: Der Multiplayer ist – gerade mit Blick auf die eher mageren Online-Komponenten von Bloodborne im letzten Jahr – angenehm robust. Überall im Spiel sind Multiplayer-Gemeinschaften versteckt, denen man sich anschließen kann. Dabei bekommen die zumeist sehr direkten 1-vs-1-Duelle aus den vergangenen Teilen durch Eide mit… flexibleren Loyalitäten eine spannende – und manchmal schießend komische – politische Komponente. Auch kann jetzt jeder beliebig oft und ohne große Nachteile eine Invasion in die Welten anderer Spieler starten, um Belohnungen zu erhalten – wobei man nicht selten in abgefahrenen fünf-Spieler-Free-for-Alls landet.

Dark Souls 3 ist ein Abschiedsfeuerwerk, dass die durch die Reihe fest etablierten Aspekte guten Spieldesigns feiert und als Siegerrunde noch einmal die größten Hits der vorherigen Teile gebührend würdigt. Fans der Vorgänger können ohne Bedenken zugreifen und sich über die vielen kleinen Anspielungen freuen, während Neulinge das benutzerfreundlichste Souls-Spiel für einen raschen Einstieg vorgelegt bekommen – was aber mitnichten heißt, dass es keine Herausforderung bietet. Ganz im Gegenteil: Auch als Veteran der Reihe habe ich immer wieder wie der letzte Amateur auf die Fresse bekommen – und würde es gar nicht anders haben wollen. Praise the Sun!

 


Dark Souls 3 gibt es auf Amazon für PS4, Xbox One und PC:

Dark Souls 3

Advertisements

3 Gedanken zu “Dark Souls 3

  1. Jugendschutz und Gaming

    Toller Artikel, beschreibt genau das, was ich beim Spielen gefühlt habe.
    Ich hoffe aber sehr, dass es doch nicht der finale Teil ist, Abschied von der Souls-Reihe zu nehmen tut schon irgendwie weh, wenn man seit Demon’s Souls dabei ist.
    Keine andere Spielereihe hat mich so sehr in seinen Bann ziehen können.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke dir, ich fühl deinen Schmerz! Nach dem Souls-High kehre ich wohl mit dem nächsten DLC zu The Witcher 3 zurück, und es graust mich jetzt schon: Nicht, weil es ein schlechtes Spiel wäre (im Gegenteil, es liegt dank erzählerischem Detail und malerischer Welt meilenweit vor aller Konkurrenz), sondern weil ich mich erinnere, wie unangenehm es war, nach Bloodborne in die Haut von Geralt gesteckt zu werden, in der man sich auf einmal wie ein ungeschickter Einbeiniger beim Eierlauf gefühlt hat. Diese Reihe hat andere Videospiele für mich völlig ruiniert – aber ich würde es auch gar nicht anders haben wollen. 😉

      Gefällt mir

  2. Jugendschutz und Gaming Blog (Admin)

    Wohl wahr, ich hoffe sehr, dass From Software sich noch etwas nettes einfallen lässt, was wieder in diese Richtung geht.
    Vielleicht ein Demon’s Souls 2, oder ein Bloodborne 2?
    Oder eine neue IP, die aber stark in diese Richtung geht, da darf wirklich gerne noch mehr kommen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s