Black Science

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Interdimensionales Sci-Fi-Actiondrama von Rick Remender & Matteo Scalera.

Science Fiction lebt. Auch wenn die Anzahl an Sommer-Blockbustern mit Raumschiffen, Zeitmaschinen und Außerirdischen nie wirklich abgenommen hat, scheint der Fokus des Genres heute aber eher auf abgefahrener Action statt auf zerebralen Gedankenexperimenten zu liegen. Die entdeckerische Flamme traditioneller SF-Autoren brennt aber noch immer, zum Beispiel in Serien wie Doctor Who oder Rick and Morty, die den Zuschauer in jeder Episode in neue und vor Kreativität nur so strotzende Welten entführen. Vom gleichen Schlag ist auch Black Science, eine bei Image Comics erscheinende Reihe, die bis oben hin mit ideenreichen Bildern und Konzepten gefüllt ist.

Wir folgen dem Wissenschaftler Grant McKay, einem rebellischen Physiker mit Punk Rock-Attitüde, dessen Team mit dem ‚Pillar‘, einem Instrument zur Reise durch alternative Realitäten, einen Durchbruch erzielt hat. Doch als ein Mitglied des Teams den Pillar sabotiert, schleudert die Maschine die Gruppe samt Grants Kindern scheinbar willkürlich durch eine Reihe unglaublicher Realitäten – und schon bald ist das primäre Missionsziel nicht mehr die Suche nach einem Heimweg, sondern das nackte Überleben…

Black Science mischt die abgedrehteren Aspekte der Viele-Welten-Theorie mit der Ästhetik alter Pulp-Abenteuer, von John Carter über Flash Gordon bis hin zu Métal Hurlant. Das Resultat ist eine Reise durch unglaubliche Parallel-Bilderwelten: Die amphibisch-humanoiden Lebensformen, die in Ziggurats auf dem Rücken von Riesenschildkröten in neonfarbenen Meeren hausen, sind da nur der zahme Anfang. Die Reihe schafft dabei irgendwie den seltenen Spagat zwischen der düsteren Melancholie tragischer Zeitreise-Dramen und der bunten Spaßwelt eines trashigen 80er-Actionfilms.

 

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Das Tempo von Black Science ist rasant: Die Handlung beginnt in medias res in einer fremden Realität, die das Team am Ende der ersten Ausgabe bereits längst wieder verlassen hat. Auf dem Weg von der einen zur anderen Welt gerät Grants Trupp immer wieder in Todesgefahr – und nicht jeder kommt bei den Gefechten mit Einheimischen oder der Flucht vor riesigen Monstern mit dem Leben davon. Neben den Verfolgungsjagden durch irrwitzige Paralleldimensionen lernen wir das Forschungsteam in Rückblenden kennen, welche uns mehr über die Figurenkonstellationen, deren Vergangenheit und Ziele verraten. Dabei sind diese Charaktermomente erstaunlich gut und menschlich nachvollziehbar geschrieben: Dies sind eben keine eindimensionalen (hihi) Pulp-Helden, sondern von ihnen Verfehlungen angetriebene Menschen auf der Suche nach Anerkennung, Absolution, einem Vermächtnis oder einfach nur ihrem Platz in einem zunehmend komplexen Kosmos. Niemand von ihnen ist ein heroischer Strahlemann, aber auch das größte Arschloch entpuppt sich irgendwann als tragischer Antiheld.

Diese tiefe und ungewöhnlich kompromisslose Charakterisierung macht Black Science für mich so besonders: Erst dadurch werden die absurden Realitäten real, ihre Gefahren greifbar. Kein Mitglied der Crew, egal wie lieb wir es gewonnen haben, ist vor den Konsequenzen des Himmelfahrtskommandos sicher – und schon bald soll sich herausstellen, dass sie nicht die einzigen *Versionen* ihrer selbst sind, die da draußen herumlaufen. Das Ganze ist nämlich nicht nur toll anzusehen und gut geschrieben, sondern auch ziemlich clever und philosophisch-experimentell. Unsere Helden sehen sich beim Hüpfen durch jede mögliche Realität schon bald mit der nihilistischen Frage konfrontiert:

„How can anything matter when every possible thing happens?“

 

Wer also auf der Suche nach ein wenig kreativer Sci-Fi-Action der alten Schule ist, die die Mitgefühls- und Abstraktions-Knoten im Gehirn anregt und trotzdem spaßig und abgedreht ist, der sollte sich Black Science mal auf die Wunschliste setzen.

 

 


Die Sammelbände von Black Science gibt es zum Taschengeld-Preis bei Amazon, momentan aber nur auf Englisch:

Black Science Volume 1: How to Fall Forever

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Ein Gedanke zu “Black Science

  1. Spontan musste ich ja zunächst an die Serie „Sliders“ denken, die eine vergleichbare Grundidee hat, aber mich damals letztendlich als zu bieder und einfallslos enttäuscht hat.
    Da klingt diese Comicreihe gleich wesentlich origineller – und vor allem richtig durchdacht. Das fehlt mir häufig bei anderen Konzepten, dass es zwar gut aussieht, aber Logik und vor allem Fantasie auf der Strecke bleiben. Ich mein: Hey – das ist SciFi. Alles ist möglich!

    Gefällt 1 Person

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