Mordheim: City of the Damned

mordheim

Rundenbasierte Fantasy-Taktik für PC & Xbox One von Rogue Factor.

Von der einst so prächtigen Dekadenz der Stadt Mordheim zeugen heute nur noch Ruinen. Ein zweischweifiger Komet, das Omen des Sigmar, strafte die hedonistischen Sünder mit totaler Zerstörung. Doch in den verfluchten Trümmern der Stadt glimmt grüner Wyrdstein, welcher von den Reichen und Mächtigen der Alten Welt für seine magischen Eigenschaften heiß begehrt wird. So machen sich die selbstmörderischsten Halunken auf, in der buchstäblichen Hölle auf Erden reiche Männer zu werden: Denn in Mordheim wimmelt es nur so von Mutanten, Dämonen und Schatzräuber-Rivalen. Selbst wenn man diese Straßen wieder lebend verlässt, so tut man es sicher nicht in Vollbesitz aller geistigen Kräfte – oder Gliedmaßen.

Mordheim basiert auf dem gleichnamigen Tabletop-Ableger von Warhammer Fantasy. Während man im Hauptspiel möglichst große Miniaturen-Armeen in Schlachten epischen Ausmaßes ineinander schob, ist der Clou an Mordheim (pardon: hierzulande hieß das Spiel natürlich Mortheim) der viel kleinere Maßstab: Hier spielt man kleine Banden hartgesottener Söldner, die in engen Gassen ums nackte Überleben kämpfen. Dementsprechend geht es auch in der Videospiel-Adaption nicht um wildes Gemetzel, sondern in erster Linie um gut überlegtes Micromanagment. Die genaue Positionierung der eigenen Männer in Relation zu denen des Feindes, die Reihenfolge und Wahl der Angriffe, aber auch die Ausrüstung jeder einzelnen Figur wollen gut überlegt sein. Zum Glück hat man dafür jede Menge Zeit, denn Mordheim ist in bester Tabletop-Tradition natürlich rundenbasiert.

Nach dem Vorbild von Valkyria Chronicles (Empfehlung an alle PC- und PS3-Spieler, die rundenbasierte Taktik mögen und nicht von Anime-Ästhetik abgeschreckt werden) steuert man jedes einzelne Mitglied der langsam wachsenden Kriegerbande direkt in der Third Person-Perspektive durch die verwinkelten Straßen Mordheims. Dank eines cleveren Aktionspunkte-Systems kann man dabei frei die vertikal-verschachtelten Umgebungen erkunden – zumindest, bis man in den Hinterhalt des Feindes latscht. Dann muss man aus einer Vielzahl taktischer Optionen das rechte Werkzeug wählen – geht man mit einem Sturmangriff direkt ran oder umgeht man den Feind, um ihn zu flankieren? Gewinnt man schnell Distanz oder hebt man sich seine Punkte für das rettende Ausweichmanöver auf? Dazu kommen eine Reihe von Heldenfähigkeiten, Zaubern und Ausrüstungsgegenständen, die den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können.

Der Clou dabei ist, dass man die kleine und unerfahrene Bande von imperialen Söldnern, Nonnenkriegerinnen, Dämonen-Kultisten oder den Rattenmenschen der Skaven über viele Missionen hinweg zu einem fähigen Einsatzkommando mit mächtigen Helden, Zauberern und Monstern groß zieht. Mit jedem Einsatz gewinnen die eigenen Jungs (oder Mädels) an Erfahrung, Ausrüstung und Fähigkeit. Doch die Kämpfe in Mordheim sind brutale und knüppelharte Angelegenheiten – und so kommt es häufig vor, dass ein Kämpfer zu Boden geht. Nach dem Gefecht wird ermittelt, ob er noch lebt. Dabei kann er jedoch durchaus auch bleibende Schäden erleiden, die er in jede weitere Schlacht trägt. Bei meinem letzten Einsatz erlitt mein hochstufiger Anführer eine schwere Kopfverletzung, dank der er nun immer Blödheits-Tests ablegen muss, bevor er etwas sinnvolles tun kann. Einer meiner fähigsten Männer verlor erst ein Bein und dann seinen Arm, ist trotz der eingeschränkten Manövrierfähigkeit aber immer noch ein besserer Kämpfer als die neu rekrutierten Frischlinge. Das Spiel erlaubte es mir, ihm den liebevollen Spitznamen ‚Stumpen‘ zu geben.

 

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Nein, diese Handicaps sind nicht rückgängig zu machen. Alle Änderungen und Tode in Mordheim sind permanent, Zwischenspeichern und neu laden is nicht. Was hier vielleicht unnötig hart klingt, macht aber gerade den Reiz des Spiels aus: Selbst in der zwanzigsten Mission kann man nichts auf Autopilot setzen oder dem Zufall überlassen, jede taktische Entscheidung hat entsprechende Konsequenzen. Im Laufe der Kampagne formt sich so eine ganz besondere Beziehung zu dem zusammengewürfelten Haufen, mit dem man sich für eine Handvoll Gold in diesem Höllenloch behauptet – entweder in zufällig generierten Szenarien, Story-Missionen oder gegen andere Spieler. Triumph und traurige Wut liegen da nah beieinander und motivieren zu immer weiteren Gefechten, bis auf einmal sechs Stunden vergangen sind und die Sonne wieder aufgeht. Wer Spiele wie Civilization oder X-Com mag, dem sollte dieses Gefühl nur allzu vertraut sein.

In den Szenarien steht nicht immer nur das Vernichten oder Vertreiben des Gegners im Vordergrund: Durch wechselnde Sekundär-Ziele und die in den verwinkelten Karten verstreuten Schätze und Wyrdstein-Vorkommen wird man clever dazu gezwungen, die eigene Bande weit aufzuteilen – was sie natürlich zum gefundenen Fressen für einen Hinterhalt macht. Leider neigt die KI jedoch häufig dazu, nach der Entdeckung der eigenen Kämpfer diese auf Teufel komm raus gegen den Spieler zu werfen – so kommt man häufig gar nicht dazu, die Nebenmissionen zu erfüllen, weil man auf dem Weg dahin bereits alle Gegner abgemurkst hat. Dafür bleiben die Kämpfe jedoch immer spannend.

 

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Abgerundet wird das Paket natürlich von der morbiden Ästhetik der Warhammer-Welt, die hier trotz angestaubter Grafik und etwas repetitiven Charaktermodellen wunderbar eingefangen wird: Die rauen Landsknecht-Söldner, körperlich wie geistig verkrüppelten Fanatiker und mutierten Chaosbestien entsprechen genau der morbiden Verdorbenheit des Settings. Aus den Fieberträumen des Hieronymus Bosch stammen auch die unheimlichen Kathedralen, verdrehten Fachwerkhäuser und dämonischen Fleischwucherungen der gefährlichen Schauplätze, in denen unsere Bande ihr Leben riskiert.

Das Spiel ist im vergangenen Jahr als Early Access-Titel auf Steam erschienen, ich selbst habe es aber gerade erst beim Steam-Sale erstanden (zum Erscheinungstag dieser Rezension ist das Spiel noch auf sehr faire 13,59€ reduziert). Ich freue mich berichten zu können, dass die Macken an Umfang, Anzeige und Ladezeiten, derentwegen ich damals die Finger davon gelassen habe, mittlerweile ausgebügelt sind. Einzig die Steuerung ist hier und da noch ein wenig hakelig – das hat aber selbst das neue X-Com immer noch nicht so richtig hinbekommen. Kritisch sehe ich hingegen die DLCs, die eine weitere Fraktion (Hexenjäger) und einzelne Spezialeinheiten für harte Euros anbieten – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier für mich nicht gegeben. Dafür merkt man aber dem Grundspiel deutlich an, dass hier Liebhaber an einer möglichst treuen Umsetzung eines bereits in analoger Form tollen Spieles gearbeitet haben.

 


Mordheim gibt es für die Xbox One oder zum Download bei Steam:

Mordheim: City of the Damned

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