King Arthur: Legend of the Sword

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Sword & Sorcery-Action von Guy Ritchie.

Snatch-Regisseur Guy Ritchie hat eine Vergangenheit in der stylisch-unorthodoxen Adaption literarischer Legenden: Sein Sherlock Holmes war so schlau, dass er besonders gut Bösewichte vermöbeln konnte. Heute bringt er den Artus-Stoff ins Kino zurück, aber natürlich muss sein Arthur mindestens ein straßenschlauer Schlägertyp und buchstäblicher Pimp sein. Doch ist das vielleicht genau der frische Wind, den die komatöse Fantasy-Filmlandschaft braucht?

In der dramatischen Schlacht um Camelot fällt König Uther Pendragon den monströsen Horden des Zauberers Mordred und dem verräterischen Vortigern (Jude Law) zum Opfer. Sein Sohn Arthur (Charlie Hunnam aus Sons of Anarchy) wird auf den Wassern ausgesetzt und in Londinium von Huren, Halunken und Kung Fu-Meistern aufgezogen. Als er das Schwert Excalibur aus dem Stein zieht, wird er unwillentlich zum Messias und Freiheitskämpfer für das vom bösen Vortigern unterdrückte Volk.

Wer mit der Legende vertraut ist und beim Lesen des letzten Absatzes mit den Zähnen geknirscht hat (Spaßfakt: Excalibur ist nicht das Schwert im Stein und Mordred ist Artus‘ Sohn), sollte sich gleich einen anderen Film suchen. Die Artus-Sage ist nur Inspirationsquelle für den anachronistischen Fantasy-Streifen über Schlachten, Zauberei, Ungeheuer und Cockney-Schlägertypen, den Guy Ritchie drehen wollte. Das Ganze ist in seinem üblichen Musikvideo-Stil aufwändig und spektakulär in Szene gesetzt und sieht mehr als einmal wie eine Frank Frazetta-Illustration aus.

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Mein großes Problem mit dem epischen Fantasy-Kino nach dem Herrn der Ringe (und auch dem angeblich „historischen“ Clive Owen-Arthur von 2004) ist die komplett austauschbare Seelenlosigkeit. King Arthur bietet zumindest Charakter: In den Hurenhäusern, Tavernen und Geheimverstecken liefern sich sympathische und gut besetzte Halunken schnelle Wortgefechte, die mit Zeitsprüngen und Rückblenden zu cleverer und wirklich lustiger Comedy verflochten werden. Die Landschaften, Monster und Zauberschwertkämpfe sind schön anzusehen, auch wenn hier und da mal ein Spezialeffekt auseinanderfällt. Während Jude Law eher den traditionellen Feuerball-und-Totenschädel-Zauberer mimt, ist Merlin-Stellvertreterin Astrid Bergès-Frisbey eine Fauna-Schamanin mit ziemlich coolen Tricks. Und der überraschend tolle Soundtrack von Daniel Pemberton kombiniert historische Instrumente und Volksweisen mit rockig-dreckiger Verzerrung, was die visuelle Mixtur natürlich perfekt untermalt.

King Arthur ist viele Dinge: Eine Rachefantasie in der Tradition von Gladiator (Jude Law channelt die foppisch-dekadente Hochmut-Bösewichterei von Joaquin Phoenix), ein Fantasy-Spektakel in der Tradition des Herrn der Ringe, eine Geschichte über Banditen mit einem Herz aus Gold in der Tradition von Robin Hood und eine temporeiche Actionkomödie über Typen, die cooler sind als du – in der Tradition von Guy Ritchie.

Schlussendlich wird diese tonale Sinuskurve dem Film zum Verhängnis: Die Urversion soll wohl weit über drei Stunden gelaufen sein, und auch das zweistündige Endprodukt hat so eine große Eile dabei, von Plotpunkt zu Plotpunkt zu springen, dass man gar nicht so recht die Gelegenheit bekommt, die hübschen Bilder zu bestaunen oder eine Verbindung zu den bestimmt interessanten Nebenfiguren aufzubauen. Dieser Wunsch, so viel Material wie nur irgend möglich hineinzupressen, resultiert in vielen rabiaten Sprüngen zwischen Actionsequenzen, die sich manchmal überflüssig anfühlen – und statt derer ich als Zuschauer lieber mehr Zeit damit verbracht hätte, Arthurs lustige Bande kennenzulernen.

Das soll nicht heißen, dass King Arthur ein schlechter Film wäre. Im Gegenteil hat er mehr Charme, Ideen und schöne Bilder als die meisten überflüssigen Fantasy-Herzensbrecher der letzten Jahre (looking at you, Warcraft). Und auch die eine oder andere Performance bleibt einem im Gedächtnis. Dennoch endet das Ganze mit einer unfertigen Tafelrunde und dem Verweis auf eine ganze Reihe geplanter Fortsetzungen – und wenn die nicht ein wenig Zeit finden, zu chillen und ne eigene Identität zu finden, sehe ich keine rosige Zukunft für das Arthur Cinematic Universe. God save the Queen.

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2 Gedanken zu “King Arthur: Legend of the Sword

  1. Pingback: Kritik: King Arthur – Wo gibt es sonst so coole Schnitte? – filmexe

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