Wonder Woman

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Superheldinnenfilm von Patty Jenkins.

Auf den Schultern der Kriegerprinzessin von Themyscira lasten große Erwartungen: Sie muss nicht nur die Welt retten, sondern auch die Ehre des DC-Kinoversums nach einer Reihe kritisch verrissener Filme wiederherstellen. Und als ob das noch nicht genug wäre, soll sie auch noch eine Bresche in das Jungs-Baumhaus des modernen Superheldenfilms schlagen und beweisen, dass Frauen nicht nur mitspielen dürfen, sondern auf Augenhöhe mit all deinen Lieblings-Muskelmännern stehen. Doch sie ist eine Superheldin: Superhelden tun das Unmögliche und lassen es einfach aussehen.

Prinzessin Diana (Gal Gadot) wächst auf der Insel der Amazonen auf, die in Raum und Zeit des antiken Griechenlands eingefroren scheint, bis ein britischer Spion (Chris Pine) in einem gestohlenen Flugzeug an ihren Stränden abstürzt und von deutschen Schiffen verfolgt wird. Nach dem anschließenden Kampf und einigen wichtigen Lektionen über die Außenwelt beschließt Diana, sich den Briten anzuschließen, um dem ersten Weltkrieg und jenen, die das Friedensabkommen bedrohen, ein Ende zu setzen.

Man kann die Superheldenfilme mit Mädels in der Titelrolle an einer Hand abzählen: Catwoman und Elektra haben die Studiobosse die falsche Lektion gelehrt, dass weibliche Helden sich nicht verkaufen würden – statt der eigentlichen Botschaft, dass handwerklich schlechte und inhaltlich entwürdigende Filme kein Publikum finden. Hoffnung machte mir Gal Gadot als das scheinende Licht im ansonsten so düsteren Batman v Superman. Da gibt es diesen Moment, wo im großen Spezialeffekt-Feuerwerk und orchestralen Einheitsbrei auf einmal ein – keuch! – wiedererkennbares Leitmotiv auf einem elektrischen Cello die Tür für einen gewaltigen Badass auftritt, der nun endlich seinen eigenen Film bekommt.

Dieser beginnt mit langsamer Exposition über Kultur und Mythologie einer Powerfrauen-Kriegergesellschaft und arbeitet sich mit liebevoller Charakterentwicklung bis zu einer meisterhaften Actionszene vor, in der Wonder Woman in voller Montur aus dem Schützengraben steigt. Das besagte Leitmotiv, vorher nur durch Streicher und Trommeln angedeutet, hat endlich seinen großen Auftritt, als sie durch die feindliche Stellung bricht und die Besatzer mit Superkräften, magischen Waffen und Kriegsakrobatik auseinandernimmt – und mich wieder daran erinnert, wie es ist, mit staunenden Kinderaugen einem Superhelden bei der Arbeit zuzusehen.

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Das ist nämlich der entscheidende Faktor, mit dem dieser Film das sinkende DC-Schiff eigenhändig retten könnte: Während Superman und Batman grimmig darüber jammerten, wie hart es ist, ein Superheld zu sein, ist Diana einfach einer – und rettet mit strahlendem Idealismus Leben und Tag des einfachen Mannes. Begleitet wird sie von einer sympathischen Halunkentruppe, von denen jeder dank ihres Beispiels eine Entwicklung zum Besseren durchmacht. Der Kontrast zu den verklemmten Normalsterblichen ist auch Quell für eine erstaunliche Menge tatsächlich zündenden Humors (Chemie, Körpersprache und Timing zwischen Gadot und Pine stimmen einfach), der das ernste Setting des ersten Weltkrieges aber weder normalisiert noch verniedlicht. Im Gegenteil war ich überrascht, wie sehr die verheerende Wirkung des Krieges auf Zivilisten und Veteranen in einem Film betont wird, den ich auch deiner kleinen Tochter ans Herz legen würde.

Im Konflikt mit irdischen Mächten zeigt sich dann auch das ehrfurchtgebietende Ausmaß ihrer Macht, dass es ein Heidenspaß ist, eine Halbgöttin aus der Perspektive des Frontsoldaten zu sehen – dementsprechend ist es dann auch die größte Schwäche des Films, als sich im letzten Akt doch noch ein göttlicher Gegenspieler zum Dragon Ball-Explosionen-und-Energieblitze-Kampf anmeldet und ein wenig zu viel Kitsch, Pathos und Zeit mitbringt. Dennoch ist klar, dass dieser Höhepunkt da sein muss, da Diana sonst im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen und deren Kampf gegen blaue Space-Laser abstinken würde – und zugleich ist der Superschurke auch noch eine thematisch passende Verkörperung des ‚War to end all Wars‘.

Es ist keine überflüssige Politisierung, Wonder Woman in ihrer Rolle als feministische Ikone zu beäugen – immerhin wurde sie in den 40ern explizit als solche geschaffen, um das Chromosomen-Gleichgewicht des Superheldencomics zu kippen und ein Vorbild für Mädchen zu sein, wie es ihre Kollegen für Jungs sind. Heute ist Feminismus dank Internet-Arschloch-Kultur entweder ein toxisches Schimpfwort oder eine zerstrittene Kampfansage, doch irgendwie schafft es dieser Film, dieses Minenfeld elegant zu durchqueren und am anderen Ende mit Empowerment und Vorbildfunktion rauszukommen.

Diana ist eine Halbgöttin, die im Alleingang ganze Armeen zerschlägt, ohne dass ihre kompetenten Mitstreiter dadurch jedoch abgewertet oder entmannt werden müssen. Sie ist aber auch eine Frau, deren Weiblichkeit ein wichtiger Aspekt ihrer Weltsicht und Außenseiterrolle in der patriarchalen Gesellschaft um sie herum ist, ohne dass sie jemals das hilflose Dummchen oder die sexy Femme Fatale mimen muss. Sie begegnet dieser Außenwelt zwar mit der zuckersüßen Naivität einer behüteten Kindheit, entlarvt sie dadurch aber auch in ihrer Verlogenheit und Rückgratlosigkeit – und bringt einen mit dieser idealistischen Ehrlichkeit erst zum Lachen und dann zum Grübeln.

So inspiriert Wonder Woman die Menschheit, wie Regisseurin Patty Jenkins hoffentlich Kinogänger wie Kinomacher einer neuen Generation inspiriert – die lässt hier nämlich den guten Superheldinnenfilm so einfach aussehen, dass man sich nur fragen kann, warum wir als Gesellschaft jetzt so lange dafür gebraucht haben.

 

 

 

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4 Gedanken zu “Wonder Woman

  1. Ein netter Artikel 🙂
    Wobei Wonder Women, wenn ich den Film richtig verstand, keine Halb- sondern eine Vollgöttin ist. Nun und für mich, wo nicht wirklich viel aus der DC Superhelden Comicreihe las, war das Ende inklusive größeren Kampf schon wichtig. Allein schon um einmal so ihr Power-Niveau zu verdeutlichen. Allerdings auch weil ich es superzufriedenstellend fand ihr zuzusehen wie sie so richtig mal den Hintern eines anderen Gott tritt, anstelle eines nur leicht verbesserten Mensch ^^;

    Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: Wonder Woman – Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

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