Spider Man: Homecoming

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Teeniekomödie mit Superhelden von Jon Watts.

‚Homecoming‘ ist ein guter Titel für den neuen Spider Man. Zum einen geht es da um den Homecoming Dance, der den Tonwechsel vom Superhelden-Epos zur Schulhof-Komödie angibt. Und zum anderen feiert der Titel, dass die Spinne nach durchwachsenen Reboots und jahrelangen Rechtsstreitereien endlich zu Team Marvel heimkehren darf – für ein Abenteuer, dass für einen solchen Film ungewöhnlich menschlich, clever und komisch ist.

Peter Parker (Tom Holland) ist Spider Man. Du weißt, warum und wer Spider Man ist, darum verschwendet dieser Film keine Sekunde damit, dir sowas nochmal zu erklären. Nachdem Peter von Tony Stark für den Civil War rekrutiert wurde, schickt dieser ihn mitsamt High Tech-Anzug zurück nach New York, um High School und Straßenganoven zu erledigen. Dort stößt er auf die Fährte einer Gangsterbande, die Chitauri-Technologie zu industriellen Energiewaffen umfunktioniert und an den Höchstbietenden verkauft. Und da die Avengers sich nicht um ein so kleines Problem kümmern würden, muss Peter allein arbeiten. Möglichst, ohne dabei seine Noten, Identität oder Freunde zu gefährden. Und – Schockschwerenot – er hat noch nicht einmal ein Date für den Homecoming Dance!

Die Marvel-Formel ist nach weit über einem Dutzend Filme zwar noch immer nicht öde, aber schon reichlich strapaziert. Da sind frischer Wind und neue Perspektiven bitter nötig. Spider Man nutzt den Humor des MCU als Startpunkt und spinnt von dort aus eine Geschichte über einen Teenager-Jungen, der im Schatten der Avengers lebt. Angesichts dieser Götter ist er ein sterblicher Fanboy, so wie wir. Ein begabter und genialer, aber eben auch hyperaktiver und unbeholfener Junge, der sich neben Prüfungen, Wettbewerben, Freunden und Mädchen eben auch noch mit dem Verbrechen rumschlagen will.
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Für viele Kids ist Spider Man aber gerade deshalb das größte Vorbild – weil er eben auch in den Comics immer noch Miete, Nebenjob, Mädels und Familie jonglieren musste. Das macht ihn menschlich, verwundbar und sympathisch. So war es nur konsequent, sich in diese Stärken der Figur zu lehnen und den neuen Film zu einer waschechten Komödie rund um die Verpflichtungen eines Schülers zu machen, der nebenbei auch Menschen retten muss. Das macht es leicht, sich in den jungen Peter hineinzudenken.

Weil wir eben auch viele dieser Probleme aus unserer eigenen Schulzeit kennen, haben die Abenteuer von Spider Man trotz des kleineren Maßstabes großes emotionales Gewicht. Vorm Finale des Films reden zwei Personen in einem Auto miteinander – und es ist eine Szene, die spannender ist als so manches Actionspektakel mit Aliens und Robotern in diesen anderen Filmen.

Das Vorbild zur klassischen Teeniekomödie ist nicht nur in direkten Ferris Bueller-Zitaten oder schlauen visuellen Seitengags, sondern auch dem quietschbunten Cast aus Schülern und Lehrern ersichtlich. Cool finde ich zum Beispiel, dass Football-Jock Flash Thompson zu einem schmächtigen, rotznasigen Beamtensohn geupdatet wurde, weil Bullies heute nunmal anders aussehen. Oder was sie mit den Love Interests gemacht haben.

Vor allem anderen ist dieser Film aber auch wirklich irre lustig, gerade weil er mit Erwartungen spielt und den cleveren Gag anstelle des offensichtlichen wählt. Da gibt es viele schlaue Beobachtungen und realistisch-entzauberte Reaktionen, aber auch die Mythologie des Cinematic Universe wird mit selbstironischem Zwinkern auf die Schippe genommen. Wenn ein Film mich zum Quietschen bringt, wurde schon viel richtig gemacht.

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Der eigentliche Star ist aber der Spinnefeind: In einem lustigen Casting Gag spielte Michael Keaton erst Batman, dann einen alternden Schauspieler, dessen größte Rolle der Birdman in nem albernen Vogelkostüm war, und nun den fiesen Vulture – ein Blue Collar-Unternehmer, der seinem Namen durch das Ausschlachten und Umfunktionieren von Alien-Technologie alle Ehre macht.

Während die größte Schwäche jedes Marvel-Films der Gegenspieler ist, ist dieser Superschurke einer der besten des Genres: Seine Motivation ist ab der ersten Szene glasklar und als er seinen großen Monolog hält, unterstreicht dieser nicht nur die Themen des Films, sondern rechtfertigt ihn tatsächlich. Nochmal: Der Bösewicht hat recht. Und sein visuelles und auditives Design machen ihn zu einer coolen und absolut furchterregenden Präsenz.

Aus all diesen Gründen ist dieser Marvel-Film auch für all jene interessant, die diese Dinger langsam echt satt haben. Das Skript macht viele schlaue und spannende Dinge (da gibt es so manchen Twist, der gleichzeitig elegant und völlig unerwartet ist), der Humor ist menschlich-sympathisch und Tom Holland schlüpft so selbstverständlich in die Rolle, dass man glatt vergisst, dass man ein Reboot vom Reboot sieht. Schön, wieder eine freundliche Spinne in der Nachbarschaft zu wissen.

 

 

 

 

 

Halt, ein Problem hab ich: Das Marvel-Logo läuft über eine tolle orchestrale Version des klassischen Spiderman-Themas, das für den Film selbst aber durch ein völlig austauschbares Leitmotiv ersetzt wird. Buh! 0/10.

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2 Gedanken zu “Spider Man: Homecoming

  1. Pingback: Spider-Man: Homecoming – Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

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