Game of Thrones, Season 7

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Anscheinend doch Heroic Fantasy von David Benioff & D.B. Weiss.

Das aufwändigste Fernsehding in gefühlt immer ist wieder zurück und mittlerweile so weit jenseits der Buchvorlage, dass sogar deine neunmalklugen Nerdfreunde, die in der Schule entweder zu viel oder zu wenig verprügelt wurden, nicht mehr wissen, was sie da jetzt eigentlich erwartet. Mit nur noch einer weiteren Staffel vor uns gehen die hübsch kostümierten Herrschaften auf Vollgas und gönnen uns rasant-dramatische Entwicklungen, jahrelang erwarteten Payoff und eine ungeahnte Menge spaßigen Blödsinns.

Zum Ende der vergangenen Staffel (siehe hier) wurden die Überlebenden des Fleischwolfs namens Game of Thrones in übersichtliche Grüppchen konsolidiert. Das Spielfeld der neuen Episoden ist damit wesentlich aufgeräumter, der Einsatz aber auch wesentlich höher. Immerhin sind all diese Figuren mittlerweile so menschlich, so dicht beschrieben und von vielen Jahren gezeichnet, dass man als Zuschauer eigentlich gar nicht Partei ergreifen möchte. Jetzt geht es um die Wurst: Genauer, den Eisernen Thron und die Ladies, die darauf sitzen möchten – hinter jeder von ihnen eine ganze Armee bärtiger, nuschelnder Männer mit traumatischer Vergangenheit. Und auch wenn ich nicht drauf eingehen werde, wer von ihnen denn nun lebt oder stirbt – Spoilers are coming.

Dass Thron-Papa George nur noch indirekt mit den Ereignissen auf dem Bildschirm zu tun hat, ist deutlich spürbar. Die Leitworte, unter denen diese Fortsetzung operiert, sind Eile und Wunscherfüllung.

Eile, weil diese Staffel nur 7 statt der üblichen 10 Episoden misst und diese damit eindeutig mehr erzählerische Distanz zurücklegen müssen. Diese Hast strapaziert zunehmend die Glaubwürdigkeit der Ereignisse: Da segelt ein Mann innerhalb einer Episode von Dragonstone nach King’s Landing, zurück nach Dragonstone und schließlich erneut zurück nach Westeros. Und man sollte sich einfach daran gewöhnen, dass Raben als Instant Messaging-System fungieren.

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Wunscherfüllung ist das Stichwort für die Entwicklungen, die uns nach sechs Jahren sorgfältigen Setups erwarten. Da reitet Daenerys höchstpersönlich auf ihrem dicksten Drachen gegen die Lannisters. John Snow kommt endlich dazu, die feinen Herrschaften von der Bedrohung von jenseits der Mauer zu überzeugen. Die Stark-Geschwister vereinen sich und hängen zusammen als Besties rum. Die Publikumslieblinge knutschen, jahrelang Verschollene tauchen wieder auf, fiese Verschwörer werden unzeremoniell abgemurkst.

Dieser positive Grundtenor ist äußerst untypisch für das sonst so nihilistisch-dekonstruktive Game of Thrones. Besonders nach den späteren Episoden rollt man gerne mal ein wenig die Augen darüber, wie man sich hier den Fans anbiedert. Die Sache ist aber die: Es ist ein Heidenspaß, wenn all die besten Lieblingstypen endlich miteinander saufen und sich augenzwinkernde Wortgefechte liefern, die zum Teil mehr an die Zuschauer als aneinander gerichtet sind.

Es fehlt zwar an Subtilität in Worldbuilding und Charakterentwicklung, dafür werden einem aber konstant coole Szenarien, schnippischer Witz und wunderschöne Bilder um die Ohren geklatscht. Kurzum: Game of Thrones ist jetzt deutlich dümmer, aber auf die spaßigste Weise.

Einzig die letzte Episode wirkt für mich schlampig geschrieben. Da werden übereilt Allianzen geformt und gebrochen und langjährig aufgebaute Schurken erledigt, was sich so anfühlt, als wäre diese Staffel ursprünglich auf 10 Episoden angelegt gewesen und zugunsten des leckeren Drachenbudgets zusammengestaucht worden. Dafür sind die Drachen aber halt eben auch knattergeil und ständig präsent.

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Das soll keinesfalls heißen, dass diese Serie zugunsten billiger Publikumswirksamkeit ihren Biss verloren hätte. Zwischen all den Machtfantasien nimmt man sich immer noch die Zeit für einen stillen, introspektiven Moment.

Da besucht der Hund die Ruinen einer der besten Szenen der ganzen Serie, wenn er zu einem Bauernhof zurückkehrt und die Familie dort beerdigen muss, aber die nötigen Worte dafür vergessen hat. Und Samwell ist im gelobten Land der Wissenschaft angekommen, nur um zu entdecken, dass die Akademiker nicht daran interessiert sind, die Welt zu retten. Sie wollen vielmehr ihren Namen auf die wissenschaftlichen Abhandlungen über die aktuellen weltpolitischen Ereignisse setzen. Und auf beiden Seiten des Krieges wünschen sich komplizierte Helden einfach nur den Frieden.

Da klingt noch immer viel von dem durch, was diese Geschichte seit Jahren zum Geschprächsthema auf jedem Campus, jedem Pausenraum und in jeder Kneipe gemacht hat. Eine bittere Wahrheit darüber, wie große Geschichte auf Kosten kleiner, ausgebeuteter, zerbrechlicher Menschen ausgetragen wird. Diesmal halt nur mit mehr Drachen und Explosionen und Zombies.

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5 Gedanken zu “Game of Thrones, Season 7

  1. Donnerwetter! Ich habe noch nie eine Folge dieser Serie gesehen aber ich lerne ungemein durch Schlüsselszenen und Kritiken, die mir inzwischen, wie ich waghalsig annehme, noch mehr Freude bereiten als wenn ich mit einem dicken Kissen bewaffnet wieder blutblubbernde Cliffhangerworte nicht mitbekäme weil ich mich zu sehr gruseln würde, ich alte Lusche. Umso vergnügter lese ich hier bei Dir von knattergeilen Drachen und Vetternwirtschaft, einfach umwerfend. Gut, dass es diese Serie gibt. Irgendwann, möglichst im kurzen westfälischen Sommer, kuck ich mir dann eisige Zustände an und wünsch mir wieder einen richtigen Drachen und nicht nur das Fake-Ding zum Aufblasen, das ich als Kind hatte. Der knickte beim Reiten immer in der Mitte durch und das empörte mich damals sehr.
    Liebe Grüße von der Fee

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  2. „Es fehlt zwar an Subtilität in Worldbuilding und Charakterentwicklung, dafür werden einem aber konstant coole Szenarien, schnippischer Witz und wunderschöne Bilder um die Ohren geklatscht“ ganz ehrlich: anders will ich das jetzt gar nicht mehr. Wie viele Charaktere sollen sich denn jetzt noch entwickeln, ihr Lebenskonzept umwerfen und schließlich vom Guten zum Bösen mutieren oder umgekehrt? Genauso wird es jetzt keine großen Plottwists mehr geben. Die Sendung geht (was ich sehr gut finde) ihrem Ende entgegen. Folglich wird jetzt aufgeräumt wo es geht, Charaktere dezimiert, offene Baustellen geschlossen und alles auf den finalen Moment vorbereitet. Das heißt mehr Action, mehr Geschehnisse und weniger rumgelaber. So Enden Storys nunmal: mit nem großen Knall. Ich fand die Staffel sehr gut. Zugegeben sie war gedrungen und hier und da etwas hektisch, aber es ist viel passiert und ich möchte auch nicht sehen, wei Dany 2 Folgen lang auf dem Drachen zur Mauer reitet.

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