Thor: Ragnarok

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Odinssöhne mit Laserkanonen von Taika Waititi.

Thor hätte der Sargnagel des Marvelversums werden können, noch bevor es so recht ins Rollen kam. Doch obwohl die ersten zwei Filme mit ihm in der Hauptrolle ihre Probleme hatten, retteten Chris Hemsworths sympathisches Charisma und das selbstironische Augenzwinkern die psychedelische Weirdness der Jack Kirby high tech Space Alien-Götter den MCU-Kanon. Und da Humor das Bindemittel zwischen nordischer Mythologie, Raumschiffen und den Avengers zu sein scheint, drückt man nun Kiwi-Regisseur Taika Waititi das Ruder in die Hand. Das Ergebnis sieht nicht nur aus wie ne geile Party in einer explodierenden Arcade-Halle, sondern ist auch eine wirklich gute Komödie, die sich traut, gleichzeitig doof zu sein und viel Herz zu haben.

Während sein Adoptivbruder Loki sich heimlich auf dem Thron Asgards breit gemacht hat, prügelt Thor sich durch den Rest der Sagenwelt. Doch dann müssen sich beide trotz ihrer sonst so mörderischen Absichten füreinander zusammenraffen, als ihre Heimat von Hela (Cate Blanchett), der Göttin des Todes, erobert wird. Verbannt auf einen abgelegenen Planeten am Arsch des Universums muss Thor nicht nur seinen Weg zurück finden, um Asgard zu retten, sondern auch mit Loki und niemand geringerem als dem unglaublichen Hulk ein wild zusammengewürfeltes Team funktionieren lassen.

Trotz der abgedrehten intergalaktischen Schauplätze und des hohen Einsatzes, den das Budget und Vermächtnis einer Marvel-Produktion heute eben so mit sich bringt, legt Ragnarok einen lockeren, charmant-kumpelhaften Ton an den Tag. Mit zu großen Teilen improvisierten Dialogen und einer tollpatschigen Unbeholfenheit, die sich Superhelden so nur selten erlauben, bringt Waititi seine größten Stärken aus Produktionen wie seiner Vampirkomödie What We Do In The Shadows (2014) mit. Der Plan geht wunderbar auf und schlägt die Brücke zu den Guardians of the Galaxy mit einem knallbunten Feuerwerk uriger Neon-Ästhetik, die einen permanent zum Grinsen und regelmäßig zum kindischen Kichern bringt.
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Die Bereitschaft, etablierte Heldenmythen mit genau dem Mangel an Respekt zu behandeln, den Aliengötter mit Zauberlasern verdient haben, macht diesen Film zu einem Riesenspaß. Da wird Gott und Marvel-Oberschurke Loki beiläufig von Doctor Strange weggeschnipst, Mark Ruffalo stolpert zutiefst verstört durch die Straßen einer fremden Welt und scheitert an der nötigen Stressbewältigung und der Cliffhanger des Thronraubes wird mit der vielleicht lustigsten Sequenz des ganzen MCUs beiseite gekehrt. All diese bekannten Größen haben offensichtlich einen Heidenspaß dabei, mit viel Inbrunst durch ihre Comicwelt zu trampeln.

Aber auch die Neuzugänge sind ne helle Freude: Tessa Thompson gibt eine zur saufenden Halunkin gewordene Walküre, die auf dicker Kumpelbasis mit dem Hulk ist und ordentlich Arsch tritt. Karl Urban hat als der grimme Verräter auf Suche nach Anerkennung und Erden-Memorabilia nicht nur Lacher und Sympathie, sondern auch tolle Charakterentwicklung in seinem Lager. Cate Blanchetts Hela ist nicht nur die erste Hauptbösewichtin (Wurde auch Zeit!) sondern auch erschreckend cool und effektiv in einem Kanon nebensächlicher Schurken. Waititi selbst ist der niedliche Steinkrieger Korg, der mit seiner entwaffnend-sanften Art so ziemlich jedes Herz erobern sollte. Und dann wäre da noch Jeff Goldblum, der den Arenameister der Gladiatoren-Götter aus fremden Welten spielt*.

*[Dieser letzte Satz implizierte, dass Jeff Goldblum in diesem Film eine Rolle spielt. Dies ist natürlich nicht korrekt. Vielmehr muss Goldblum eines Tages in seinem Morgenmantel auf dem Set erschienen sein und wurde danach anscheinend lange genug mit ulkigem Make-Up, noch ulkigeren Requisiten und einer medizinisch bedenklichen Catering-Platte Koks bei Laune gehalten, um eine treibende Kraft in dieser Story zu sein. Das Ergebnis ist glorreich und zum Schießen.]

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Der symbolische Haarschnitt, den Thor zu Beginn des zweiten Aktes erhält, steht symbolisch für die Bereitschaft dieses Films, bleibende Spuren auf dem Marvel-Universum zu hinterlassen. Während mein größter Kritikpunkt an Civil War die Tatsache war, dass die Ereignisse kaum spürbare Konsequenzen für die beteiligten Superhelden hatten, nimmt sich Waititi ganz rotznasig das Recht heraus, den Status Quo auf viele große und kleine Weisen zu brechen.

Groß, weil die Auflösung des finalen Konfliktes frischen Wind in die sonst so abgedroschene Held-haut-Fiesling-mit-Freundschaft-tot-Formel bringt und die so spannende Beziehung zwischen Thor und Loki mehrfach aufgebrochen und schließlich zu einem eleganten Buchende geführt wird. Klein, weil die Narben und Verluste dieses Konfliktes auf seinen Helden deutlich erkennbar bleiben, was die Geschichte gleich umso bedeutender als viele austauschbare Marvel-Episoden macht (Was war nochmal die Story von Iron Man 2?). Im Falle der Warriors Three hätte die Konsequenzen-Maschine ruhig sogar ein wenig Leerlauf haben können – aber das ist die Art von Mut, die Ragnarok so gut macht.

So zeigt sich hier, dass diese Filme auch nach anderthalb dutzend Teilen noch Frischluft und Herzblut in die Geldmaschine Disney-Marvel hineinpumpen können. Die unzeremonielle Frechheit, mit der Regisseure wie Waititi diese Maschine behandeln dürfen, wenn ihnen erstmal die Schlüssel gereicht werden, macht einen großen Teil des Marvel-Erfolgsrezeptes aus. Also immer noch kein einziger schlechter Film hier. Potzdonner!

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3 Gedanken zu “Thor: Ragnarok

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