Avengers: Infinity War

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Das Crossover-Event von Anthony & Joe Russo.

Infinity War als Event-Kino zu beschreiben, wäre ein Understatement: Es ist nicht nur die vielleicht teuerste Filmproduktion aller Zeiten, sondern auch auf dem besten Wege, sämtliche Einspielrekorde zu brechen. Es ist außerdem das Siegertreppchen für aberdutzende Figuren aus zehn Jahren des erfolgreichsten Kino-Franchises der Welt. Tatsächlich ist dieser Film so voll mit Stars, dass die einen Prominentenzuschlag auf die Tickets verlangen könnten, wenn ich nicht ohnehin schon 16,50€ FÜR EINE POPELIGE EINTRITTSKARTE ZUM DISNEYCORP MEGAPLEX BEZAHLEN WÜRDE JESUS DAFÜR MUSS RUFFALO ABER WAS ZEIGEN
Spoilerfrei

Nachdem er immer wieder durch Abspann-Staus und Familienkisten aufgehalten wurde, kommt der lila Weltraummann Thanos endlich an, um die Zaubergemmen für seinen güldenen Handschuh zu sammeln. Dabei muss er gegen einen Donnergott, eine Eisenperson, eine Spinnenperson, die menschliche Fackel, den Typen aus Parks & Rec, einen Waschbären, einen Baum, einen Zauberer, eine künstliche Intelligenz und eine Hexe kämpfen. Und noch deren Freunde, flüchtige Bekanntschaften und Kollegen von Arbeit. Eigentlich steht es irgendwie dreißig zu eins, aber ich muss schon sagen, dieser lila Weltraummann ist echt krass drauf, mein lieber Herr Gesangsverein.

Ich möchte damit zwei Dinge sagen: Erstens, dass Infinity War auf dem Papier eine irrsinnig dumme Idee ist, die gar kein Recht dazu hat, so gut zu sein. Und zweitens, dass mir das Herz für jede Mama und jeden Opa blutet, welche das junge Gemüse in den neuen Abenteuerfilm begleiten wollen, um ein wenig Familienzeit zu bekommen. Aber wenn man tatsächlich schon in diese Figuren investiert ist, dann ist dieser Film eine von diesen superteuren Sylvesterkracher-Batterien, die einen damit überraschen, wie lang und wie bunt sie ballern.

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Das ist natürlich in erster Linie dem außerirdisch guten Cast zu verdanken, welches wir nun über eine Dekade hinweg kennen und lieben gelernt haben – und da muss man schonmal anmerken, wie es über die zwanzig Filme hinweg keinen einzigen Stinker, keine langweilige Hauptfigur gab. Der große Spaß an den Avengers ist es dann natürlich, all diese Charaktere miteinander interagieren zu sehen. Und auch Infinity War versteht sich auf diese Stärke und balanciert die schier unerhöhte Menge von Figuren damit aus, diese in kleine, aber auf spaßige Dialoge optimierte Grüppchen aufzuteilen. Dabei sind diese Kombinationen selbst für langjährige Marvel-Ultras frisch und unkonventionell: So wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass ich die Thor & Rocket Racoon-Show sehen wollte, bis sie mir geboten wurde.

Hier ist wirklich jeder deiner Lieblingsmarvelianer dabei – und deren komplexes Netz von Beziehungen ist auch die Hauptattraktion. Da treffen die Egos von Doctor Strange und Tony Stark aufeinander, Peter Parker wird gegen die ganz großen Übel ins Rennen geschickt und nicht zuletzt darf man sich auf das Aufeinandertreffen von den Guardians mit den Avengers freuen. Auch wenn nicht jeder eine volle Charakterentwicklung spendiert bekommt, darf jeder mal ein wenig scheinen – und schwebt auch in akuter Lebensgefahr, denn die Autoren und Thanos sind sich einig: Im Marvelversum gibts einfach zu viele Superhelden.
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Bis das letzte Jahr eindrucksvoll mit dieser Tradition brach, waren die Bösewichte in Marvel-Filmen zumeist austauschbare Pappaufsteller, die größtenteils dafür da waren, die Helden cool aussehen zu lassen. Thanos ist ein genozidal veranlagter CGI-Monstermann, der in der Theorie genau so verzichtbar wie Justice Leagues ikonischer Publikumsliebling Steppenwolf sein sollte. Aber die wirklich beeindruckende Performance von Josh Brolin in Tandem mit Effektarbeit, die dem Titanen physische Präsenz und Gewicht verleiht, lassen uns sofort vergessen, wie doof Thanos eigentlich ist. Dabei hilft natürlich auch die emotionale Investition durch eine Legion großartiger Schauspieler in den Masken lieb gewonnener Figuren, die sich den Arsch dafür abschuften, uns den Pathos und hohen Einsatz dieser Geschichte zu verkaufen.

Grund für dieses Gelingen ist auch der Mut des Skripts, endlich die Konsequenzen auf den Tisch zu knallen, welche ich in Civil War so schmerzlich vermisst habe: Da murkst Thanos ab der ersten Minute unzeremoniell beliebte Figuren ab und kündigt direkt in die Kamera an, dass er es wieder tun wird und es diesmal keine Hoffnung auf billige Wiederbelebungs-Zauberei gibt. Diese teuren Karten waren ihren Preis schon allein für das konstante Klappern von Kinnladen auf dem Boden des Vorfühlsaals wert – und mir bleibt bloß die Hoffnung, dass man das schier unmögliche Versprechen, dass hier vor dem Abspann gegeben wird, auch wirklich hält.

Man sollte natürlich auf keinen Fall den kritischen Blick auf den Disney-Monolithen verlieren. Es ist beängstigend, wie Entertainmentkultur unter dem Banner der Maus monopolisiert wird. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Zwillingsspitzen von Star Wars und Marvel aus kreativer Sicht tadellos gehandhabt werden: Hier versteht man, dass frische, unverbrauchte und mutige kreative Entscheidungen nicht den kommerziellen Tod bedeuten, sondern im Gegenteil den langjährigen Respekt des Zuschauers verdienen. Und darum werde ich auch weiterhin zähneknirschend Eintritt zahlen. Zum Glück bin ich nämlich von Thanos verschont worden, wie ich hier erfahren habe.

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9 Gedanken zu “Avengers: Infinity War

  1. Ich mag einzelne Superhelden wie Spiderman, Doctor Strange, Thor, Iron Man oder die Guardians of the Galaxy. Der Sinn von Veranstaltungen wie Avengers und jetzt der Extremfall Infinity War, in denen alle zusammengewürfelt werden, hat sich mir leider nie wirklich erschlossen.
    Dein Text ist aber genial formuliert und macht sogar jemandem wie mir fast schon Lust sich den Krempel doch noch anzusehen.

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  2. „ist dieser Film eine von diesen superteuren Sylvesterkracher-Batterien, die einen damit überraschen, wie lang und wie bunt sie ballern.“
    – Ich bin begeistert. Vielleicht eine der besten Aussagen über diesen Film die ich bis jetzt gehört habe 😀

    Bis dahin war es „Infinity War ist wie Fast Food. Mal ganz in Ordnung, aber dann will man auch wieder was richtiges essen (sehen)“.

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  3. Thanos würde ich nicht unbedingt als doof bezeichnen. Eher als zielorientiert und rücksichtslos. Für sein Verständnis tut er dem Universum etwas Gutes. Außerdem hat er keinen Avenger/ Guardian aus persönlichen Gründen angegriffen. Selbst Tony hat er, wie versprochen, verschont. Er nutzt die Infinity Stones nicht, um sich zum ungeschlagenen Herrscher des Universums zu machen oder sein Genital wachsen zu lassen. Er nutzt sie, um dem Universum (so seine Meinung) einen Dienst zu erweisen. Das er neben dem halben verwehten Universum ein halbes gebrochenes Universum zurück lässt, ist ihm dabei egal. Frei nach dem Motto: die gewöhnen sich schon daran und die zukünftigen Generationen müssen nicht hungern, Kriege um Ressourcen führen oder ohne ausreichend Ressourcen ein Leben in Armut führen.

    Ansonsten geben ich dir Recht. Ein Filmspektakel, dass den Fans gefällt, nicht der Film des Jahrtausends ist, aber in 2,5 Stunden zu unterhalten weiß. Ich hoffe nicht auf ein stumpfes „Die Avengers erobern in Teil 2 die Infinity Stones, drehen die Zeit zurück und alles ist gut Ende“. Köpfe müssen rollen und das alte Serienuniversum muss etwas ausgedünnt werden, um Platz für neue Helden zu schaffen.

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    1. Ich denke, da hast du Joseph falsch verstanden: nicht der Charakter Thanos ist doof, sondern die Idee auf dem Papier von einem lila CGI-Monster aus dem All, das alle Helden angreift. Comic-Spinnerei halt, wie Steppenwolf bewiesen hat.

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      1. Ah ok. Ja auf dem Papier klingt Thanos erstmal stupide, das stimmt. Marvel hat dennoch einen glaubhaften Bösewicht daraus gemacht. Zumindest für meine Ansprüche an einen Comicfilm – da setze ich nicht sonderlich hoch an 😀

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  4. INFINITY WAR hat für mich eine Zeitenwende eingeleutet. Wegen INFINITY WAR habe ich keine Lust mehr auf Marvelfilme. Gut, vielleicht noch auf Deadpool, aber ansonsten soll mich das Marvel-Universum bitte verschonen mit neuen Filme. Du schreibst in deiner Kritik, dass es endlich mal Konsequenzen gibt, Charaktere sterben, zum ersten Mal taucht ein würdiger Gegner auf.

    Mein Problem mit dem Film ist schlicht und ergreifend, dass die Konsequenzen allem Anschein nach wieder rückgängig gemacht werden. Marvel hat bereits Filme mit Charakteren angekündigt, die in INFINITY WAR starben. Soll heißen, irgendwer wird sie durch irgendwelche magischen Steinchen oder phänomenalen Erfindungen zurückbringen. Und somit sind die ganzen Tode doch nicht so endgültig wie man vielleicht denkt. Witzigerweise funktioniert DEADPOOL 2 nach dem gleichen Muster. Bloß bei Deadpool stört mich das weniger, weil ich es da als Stilmittel, als Mittel zum Zweck sehe, während INFINITY WAR sich selbst sehr ernst nimmt.

    Hier meine Gedanken zu INFINITY WAR: http://adoringaudience.de/avengers-infinity-war-3d-2018/

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