Wolverine: Old Man Logan

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Postapokalyptischer Western von Mark Millar & Steve McNiven.

Wer langsam die Nase voll von Superheldenkram hat, wird dieses Jahr ne schlechte Zeit haben. Im März geht die Cape-Saison mit Hugh Jackmans letztem Hurra ‚Logan‘ los, einem X-Men-Film ohne X-Men. Der düster-entzauberte Road Trip-Flair des Trailers und der Titel kommen dabei nicht von ungefähr: Zumindest das Konzept ist von der viel gelobten Miniserie Old Man Logan aus der Feder von Mark Millar (Händchen für alternative Charakterinterpretationen bewiesen in Superman: Red Son) entliehen, einer viel gelobten Miniserie, welche zwischen 2008 und 2009 die sonst so quietschbunte Marvel-Welt in ein düsteres Ödland verwandelte.

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Severed

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Horror-Roadmärchen von Scott Snyder.

Wir nähern uns mit großen Schritten Halloween. Da fällt mir auf, dass ich für diesen Monat eigentlich nur noch Doctor Strange auf der Liste habe – und wenn da nicht ein überraschender Frankenstein im letzten Akt aufploppt, würde der Monat ganz unspuktakular an mir vorüberziehen. Abhilfe soll nun diese grusel-wuselige Comic-Miniserie von Scott Snyder schaffen, über die ich schon so viele gute Dinge gehört habe: Ein Teil Reisebericht, ein Teil Thriller, ein Teil Slasher und ganzheitlich schauerlich.

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V for Vendetta

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Memetische Comic-Anarchie von Alan Moore & David Lloyd.

Die Weltpolitik steht in Flammen. Ich meine jetzt, in diesem Moment, da draußen, aber eben auch in diesem Comic-Band, der mir heute durch Zufall wieder in die Hände fiel. Und doch wirkte die Geschichte beim Durchblättern auf einmal befremdlich fern – aus einer anderen Ära eben. In den 80ern warnte Moore vor den faschistischen Tendenzen des Großbritanniens der Thatcher-Ära und machte zivilen Ungehorsam zu seinem Superhelden. 2005 verfilmten die Wachowskis das Material – sehr zum Zähneknirschen seines Autors – zu einer Kritik des Hurra-Patriotismus der Bush-Ära. Beiden Inkarnationen des Stoffes ist gemein, dass sie die nationalistischen Narrativen eines Überwachungsstaates angreifen, der seine Bürger durch Angst und eine Gleichschaltung der Medien unterdrückt. Aber warum fühlt sich das alles 10 Jahre später so merkwürdig an – nun, da die amerikanischen Präsidentschaftswahlen über Twitter ausgefochten werden, babyblaue Plakate Berlin schmücken und deine Facebook-Freunde anderer Leute Verschwörungstheorien teilen?

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Black Science

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Interdimensionales Sci-Fi-Actiondrama von Rick Remender & Matteo Scalera.

Science Fiction lebt. Auch wenn die Anzahl an Sommer-Blockbustern mit Raumschiffen, Zeitmaschinen und Außerirdischen nie wirklich abgenommen hat, scheint der Fokus des Genres heute aber eher auf abgefahrener Action statt auf zerebralen Gedankenexperimenten zu liegen. Die entdeckerische Flamme traditioneller SF-Autoren brennt aber noch immer, zum Beispiel in Serien wie Doctor Who oder Rick and Morty, die den Zuschauer in jeder Episode in neue und vor Kreativität nur so strotzende Welten entführen. Vom gleichen Schlag ist auch Black Science, eine bei Image Comics erscheinende Reihe, die bis oben hin mit ideenreichen Bildern und Konzepten gefüllt ist.

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Mad Max: Fury Road

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Endzeit-Chronik von George Miller.

Der im vergangenen Jahr erschienene Mad Max: Fury Road ist einer der seltenen Fälle, in denen der Schöpfer eines Genres nach Jahrzehnten ein Sequel dreht, welches nicht nur besagtes Genre neu definiert, sondern eben mal so auch die Originale in den Schatten stellt. Dabei war es nicht die simple Story oder die halsbrecherische Action, sondern vor allem das vor Kreativität und Detailverliebtheit nur so strotzende Welten- und Produktionsdesign, welches die Anerkennung des Publikums und die Würdigung durch zahlreiche Oscars sicherte. Autor und Regisseur George Miller hat über viele Jahre hinweg Ideen, Konzeptzeichnungen und Hintergrundgeschichten gesammelt, die nur am Rande oder in kurzen Andeutungen im finalen Film auftauchen – das Ergebnis ist eine postapokalyptische Märchenwelt, die sich bewohnt und real anfühlt, mit eigener Kultur und Geschichte. Die Figuren sind Produkte dieser Welt, gezeichnet und geformt durch sie. Da durch die Reduktion dieser Welt auf eine Laufzeit von zwei Stunden zwangsläufig eine Menge Material in den Konzeptbüchern blieb, entschloss sich George Miller, die Hintergrundgeschichten in einer Reihe von Comic-Kurzgeschichten zu erzählen.

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Rat Queens

Rat Queens

Sword & Sorcery-Comedy von Kurtis J. Wiebe.

Wie uns dieser Warcraft-Film gezeigt hat, sind gute Charaktere und schlaue Dialoge leider noch immer Mangelware in unseren Fantasy-Schmonzetten. Eine der strahlenden Ausnahmen von dieser Regel ist diese großartige Comic-Reihe rund um die Eskapaden einer Bande Abenteurer-Mädels. In Rollenspieler-Kreisen beschreibt der Begriff „Murder Hobos“ die gefährliche Persönlichkeits-Mixtur aus übermenschlicher Macht und einem allgemeinen Mangel an Verantwortung, Gesellschaftsfähigkeit und Respekt vor Menschenleben, welche über kurz oder lang jede Dungeons & Dragons-Gruppe infiziert. Die Rat Queens sind eine solche Gruppe aus Kriegerinnen und Zauberinnen, die das Töten von grässlichen Monstern mit dem rücksichtslosen Sex, Drugs & Rock n Roll-Lebensstil von Guns N‘ Roses circa ’88 kombinieren. Und ganz nebenbei sind sie auch noch ein paar der vielschichtigsten, lustigsten und coolsten Heldinnen der jüngeren Comic-Geschichte.

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Neonomicon

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Lovecraft-Horror-Orgie von Alan Moore & Jacen Burrows.

Alan Moore ist bekanntlich hauptberuflicher Exzentriker. Auf der einen Seite ist er der vielleicht größte Titan des modernen Comics, andererseits ist er über die letzten Jahrzehnte immer mehr zum grummeligen Eigenbrötler geworden. Schuld daran war die Verfilmung von seinen Meisterwerken V for Vendetta (2005) oder auch Watchmen (2009), gegen die er sich mit allen Mitteln wehrte – wobei er schlussendlich sowohl auf eine Entfernung aus den Credits als auch einen kompletten Verzicht auf Einnahmen in Millionenhöhe bestand. Der Grund für diese Entscheidung findet sich in seinem lebenslangen Kampf für die Anerkennung des Comics als eigenständiges, erwachsenes Medium für Geschichten, die eben nicht einfach auf die Leinwand übertragen werden können. Als er sich ernüchtert und pleite auf der Verliererseite dieses Kampfes wiederfand, schrieb er sein vielleicht düsterstes, menschenfeindlichstes Material – scheinbar als Protest gegen die Hochglanzproduktionen, zu denen Hollywood seine Arbeit verwurstet hatte. Das Ergebnis ist ein verstörend-expliziter Blutrausch aus Sex, Gewalt und – naja – sexueller Gewalt, welcher so weit wie möglich von Kinderaugen ferngehalten gehört. Aber wir sind ja schon groß, ne?

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Batman: The Dark Knight Returns

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Düstere Superhelden-Neuerfindung von Frank Miller.

Ich mag meine kleine Trilogie der Batman v Superman-Comics mit dem mürrischen Großpapa des Superhelden-Reimaginings beenden: Frank Millers Mini-Reihe The Dark Knight Returns (1986) wird dieses Jahr 30, taucht aber immer noch regelmäßig auf Platz 1 der wichtigsten, besten, einflussreichsten Capeträger-Comics auf. Es gilt zudem als der Grundstein für das hier oft genannte Dark Age of Comic Books, in welchem die fröhlich grinsenden Helden zunehmend grimmiger und moralisch zweifelhafter wurden. Damit ist Millers Batman die Blaupause einer ganzen Generation von Superhelden für ein erwachseneres Publikum, nicht zuletzt auch von Christopher Nolans und Zack Snyders Kino-Batmen.

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Superman: Red Son

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Elseworld-Charakterexperiment von Mark Millar.

Werfen wir doch anlässlich dieses neuen Films noch ein weiteres Mal einen Blick in die Comics: Superman gilt nicht nur als der Urvater des Superhelden, sondern ist auch ein Symbol – er ist die Verkörperung amerikanischer Leitkultur, von „Truth, Justice and the American Way“. Marvels Captain America mag den Namen seiner Heimat annehmen, die Flagge als Kostüm tragen und Hitler ne Ohrfeige verpassen, aber er wird trotzdem nie das große rote S von seinem Podest als Archetyp des patriotischen Optimismus stürzen können. Die Ironie dieser Kiste ist, dass Superman selbst natürlich ein illegaler Immigrant von einem anderen Planeten ist – was die Frage aufwirft: Was wäre wenn? Was wäre, wenn Superman nur ein wenig später auf dem rotierenden Erdenrund gelandet wäre? Was wäre, wenn er nicht in Roosevelts Amerika, sondern in Stalins Sowjetunion aufgewachsen wäre?

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Kingdom Come

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Superhelden-Generationendrama von Mark Waid & Alex Ross.

In den negativen Kritiken, die es in den großen Publikationen für Batman v Superman hagelte, ist man sich einig: Zu düster, zu brutal, zu mörderisch sind diese Helden der Kindheit geworden. Wo sind die Superhelden von damals hin, die stets nur mit einem charismatischen Lächeln bewaffnet waren und den Bösewicht nach einer cleveren List und einem flotten Spruch dem Gesetz übergaben? Und mit genau dieser Frage beschäftigt sich Kingdom Come (1996), eine ursprünglich in 4 Bänden erschienene Elseworld-Geschichte von DC, geschrieben von Mark Waid und illustriert von Alex Ross.

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