Opeth: Sorceress

opeth

Verspielter Prog-Rock von Opeth.

Die Stockholmer Opeth (mir fällt in dieser Sekunde auf, dass alle bisher auf dieser Seite besprochenen Bands aus Schweden kommen) begleiten mich schon mein halbes Leben. Ihr Output um die Jahrtausendwende war der perfekte Soundtrack für das Leben eines prätentiösen Metalheads, der gleichzeitig verwegen und grüblerisch wirken wollte. Alben wie ‚Blackwater Park‘ und ‚Deliverance‘ pendelten irgendwo zwischen melancholischen Akustik-Traumlandschaften und aggressivem Death Metal. Die Band stagnierte jedoch nicht in dieser Schwebe, sondern entwickelte sich im Verlauf der letzten Jahre immer weiter in jazzigere Prog-Gefilde. Da ist es nur logische Konsequenz, dass auf den letzten Platten also weder extremes Metal-Riffing noch Growls zu hören sind. Auf ‚Sorceress‘ werden handwerklich beeindruckende und vertrackte Klangwelten geschaffen, deren Wurzeln sich aus der verkopften Rock-Szene der 60er nähren.

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Ghost: Popestar

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Satanische Power-Pop Cover-Extravaganza von Ghost.

Im Frühjahr schrieb ich anlässlich des verdienten Grammys über das großartige Hip-Hop-Musical Hamilton und erwähnte dabei das absolut titanisch geniale letzte Album der schwedischen Band Ghost, ‚Meliora‘, welches sich neben seinem Grammy auch einen festen Platz in meinen Lieblingsalben dieses Jahrtausends erobert hat. Das liegt neben dem unantastbaren Songwriting auch daran, dass Ghost eine Band mit einer klaren Botschaft ist – und damit meine ich noch nicht einmal ihre effektive Missionarstätigkeit für den Leibhaftigen, sondern vor allem die erfrischende Ansicht, dass gute Musik kitschig sein darf. Und Kitsch wird auf der neuen EP ‚Popestar‘ groß geschrieben, wenn obskure Fußnoten der Pop-Geschichte ausgegraben und in einer opulenten schwarzen Messe zelebriert werden.

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Amon Amarth: Jomsviking

jomsviking

Melodic Death Metal von Amon Amarth.

Wenn ich durch nen Zauberwunsch einen Musiktrend wiederbeleben könnte, wäre es die Rock Opera. Ich finds total super, wenn ein Album eine durchgängige Geschichte zu erzählen hat, aber heutzutage klickt man sich ja wild durch Youtube und Shuffle-Playlisten – niemand hat mehr Zeit für so was. Umso überraschter war ich, dass ausgerechnet die schwedischen Death-Metal-Wikinger von Amon Amarth eine Rockoper geschrieben haben. Wer die Band nicht kennen sollte: Die spielen seit über 20 Jahren melodischen Metal nach Vorbild von Iron Maiden, nur halt tiefer gestimmt und mit nem wütenden Berserker am Mikrofon, der trotz seines Grollens gut zu verstehen ist und so zum Mitsingen einlädt. Auf dem Konzeptalbum „Jomsviking“ erzählen sie nun Track für Track die Geschichte eines ausgestoßenen Wikingers auf der Suche nach Rache und seiner Liebsten. Und es ist der geilste Scheiß.

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Hamilton

Hamilton

Historisches Hip Hop-Musical von Lin-Manuel Miranda.

Die mächtigen Ghost räumen mit einer meiner Lieblingsplatten des letzten Jahres bei den Grammys wohlverdient ab, und doch jubele ich mehr für einen anderen Sieger des Abends. Lin-Manuel Mirandas Hamilton vereint zwei Dinge, von denen ich gerne mehr Ahnung hätte: Geschichte und Hip Hop. Mit seinem kleinen Herzensprojekt stürmte er letztes Jahr den Broadway und verschacherte genug Tickets, um die Hallen bis Sommer 2017 auszuverkaufen. Hierzulande ist es leider immer noch schmählich unbekannt.

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