Community

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Anti-Sitcom von Dan Harmon.

Am 1. April wurden wir im vielleicht besten Streich dieses Jahrtausends mit einer neuen Episode Rick and Morty gesegnet. Auch ein Jahr nach diesem Beitrag ist diese hässliche Zeichentrickserie noch immer mein Lieblings-Entertainment-Dings – und die Wartezeiten sind lang. Lang genug, um mal einen Blick zurück auf die andere große Errungenschaft von Autor Dan Harmon zu blicken, der bei Rick and Morty mit seinem rasend tragikomischen Talent für große Konzepte und clevere Ideen die pure kreative Anarchie von Justin Roiland ausbalanciert. Community ist nicht minder clever, lieferte sich aber harte Guerilla-Kriege mit den Netzwerken und ist kulturell unübersetzbar, weshalb dieses Comedy-Gold hierzulande nie so recht wertgeschätzt werden konnte.

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Logan

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Superhelden-Abgesang von James Mangold.

Dass der neue X-Men-Streifen kaum etwas mit den bunten Spektakeln der vergangenen Jahre zu tun hat, zeigt sich schon im ersten Bild: Da fällt der unverwundbare Übermensch halbtot und sturzbetrunken aus seinem Wagen und wird von einer Bande von Halbstarken vermöbelt. Als er sich zur Wehr setzt, ist er nicht mehr der kinderfreundliche Streiter für Gerechtigkeit: Seine Klingen, die er seit zwei Jahrzehnten immer nur verwischt am Bildrand oder zwischen Diskretions-Cuts einsetzte, zerreißen Fleisch und Knochen, zerteilen Gliedmaßen, durchbohren Köpfe von Kids, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Eine deutlichere Content-Warnung kann es nicht geben. Und doch ist dies nicht zynisches Exploitation-Kino für gewaltverrückte Teenager, sondern eine erwachsene Mär vom Altern und Scheitern.

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Wie blöd ist Harry Potter and the Cursed Child?

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Pottheater von J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne.

Verzeih mir, ich breche schon wieder mit meiner Positivitäts-Agenda. Aber da ist wieder so eine Tirade, die raus muss. Weil ich in den letzten Monaten viele gute Zeitreise-Geschichten gefressen habe – und eine grottenschlechte. Denn dieses Harry Potter-Stück von letztem Jahr ist zwar vielerorts gescholten worden, aber auch mit diesen durchwachsenen Kritiken gehe ich nicht so richtig mit, weil sie an Besetzung und Beziehungen herumhacken, nur um anschließend die großen erzählerischen Probleme zu ignorieren. Zumindest die gedruckte Variante ist meiner Meinung nach nämlich wirklich, wirklich blöd. Ich hab eine Liste gemacht, so blöd find ich sie!

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Michael Moorcock: Behold the Man

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Deterministament von Michael Moorcock.

Auf der Jagd nach guten Zeitreise-Geschichten treffe ich auf einen alten Bekannten: Fantasy-Autor und Hawkwind-Texter Michael Moorcock schrieb baumdicke Sword & Sorcery-Schinken rund um Helden wie Elric oder Corum, die mich schon als kleiner Junge durch ihre Zerbrechlichkeit und flackernden Moralvorstellungen beeindruckten. Weniger berühmt sind seine Arbeiten außerhalb des Eternal Champion-Multiversums, was zumindest im Falle dieser herzzerreißend menschlichen Parabel rund um einen Zeitreisenden mit Messias-Komplex ziemlich tragisch ist.

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Dishonored 2

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Hausfriedensbruchs-Simulator von Arkane Studios
für PC, PS4 & Xbox One.

Das erste Dishonored (2012) war nicht nur eine kleine Revolution des Stealth-Genres, sondern warf den Spieler auch in eine abgefahrene neue Welt, in welcher man sich als magischer Ninja-Batman durch eine Walölpunk-Fantasy-Version des britischen Imperialismus samt Kreuzrittern, Hexen und Kriegsmaschinen schleichen oder meucheln durfte. Nun ist Corvo, der Typ mit der mechanischen Maske, wieder da – und er hat seine Kaiserin/Tochter mitgebracht, die seine Null-Toleranz-Politik für Thronräuberei teilt.

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Dirk Gently’s Holistic Detective Agency

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Chaosdetektei von Max Landis.

Dirk Gently ist nicht nur die neueste Serie, über die dein Kumpel mit zu viel Zeit für Netflix nicht die Klappe halten kann, sondern auch eine Figur von Per Anhalter durch die Galaxis-Autor Douglas Adams. Dirk Gently war auch Held einer wenig erfolgreichen britischen TV-Adaption dieser Bücher. Jetzt ist Dirk Gently in Amerika unterwegs, produziert von BBC America und geschrieben von Max Landis. Inhaltlich haben seine Abenteuer nichts mehr mit der Vorlage zu tun, einzig die Hauptfigur blieb immer konstant: Dirk Gently ist holistischer Detektiv. Das Universum treibt ihn zur Lösung von Mysterien, die so schräg sind, dass kein vernünftiger Mensch die nötigen Zusammenhänge erkennen würde. Für Dirk Gently ist aber klar: Alles hängt irgendwie zusammen.

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Ash vs Evil Dead

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Splattergaudi von Sam Raimi.

Evil Dead ist Kult mit gewöhnungsbedürftigem Geschmack. Sam Raimis schmuddeliger Studentenfilm hat eine Generation von Filmnerds mit einem Auge für handgemachten Low-Budget-Horror mit (metaphorischem und buchstäblichen) Herzblut herangezogen. Viele dieser Kids, die in den Hinterzimmern muffiger Videotheken aufgewachsen sind, machen heute selber Metzelfilme. Denen fehlt aber leider häufig das sympathische Augenzwinkern, dass die Evil Dead-Reihe zu idealen Party-Filmen macht. Höchste Eisenbahn also, dass das alte Filmteam, Ash und seine Kettensägenhand wieder zusammenkommen – in Serienform!

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Wolverine: Old Man Logan

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Postapokalyptischer Western von Mark Millar & Steve McNiven.

Wer langsam die Nase voll von Superheldenkram hat, wird dieses Jahr ne schlechte Zeit haben. Im März geht die Cape-Saison mit Hugh Jackmans letztem Hurra ‚Logan‘ los, einem X-Men-Film ohne X-Men. Der düster-entzauberte Road Trip-Flair des Trailers und der Titel kommen dabei nicht von ungefähr: Zumindest das Konzept ist von der viel gelobten Miniserie Old Man Logan aus der Feder von Mark Millar (Händchen für alternative Charakterinterpretationen bewiesen in Superman: Red Son) entliehen, einer viel gelobten Miniserie, welche zwischen 2008 und 2009 die sonst so quietschbunte Marvel-Welt in ein düsteres Ödland verwandelte.

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Kurt Vonnegut: Slaughterhouse Five

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Postmoderner Lebensquerschnitt von Kurt Vonnegut.

Science Fiction hat dieser Tage einen bitteren Beigeschmack. Mit jeder düsteren Nachricht, sei es aus den USA oder der unmittelbaren Nachbarschaft, festigt sich die Gewissheit, dass wir irgendwo falsch abgebogen sind und nun in der düsteren Timeline feststecken. Auf der verzweifelten Suche nach einer Möglichkeit, den Durchbruch durch den dimensionalen Schleier zu schaffen und in einer weniger beschissenen Realität zu landen, fällt mir Vonneguts berühmtester Roman in die Hände. Dieser erzählt vom Leben des Autors in einer noch dunkleren Zeit als dieser: Vonnegut überlebte als Kriegsgefangener der Deutschen den Luftangriff auf Dresden – ein Ereignis, welches gerade erst von der AfD zur Holocaust-Relativierung ausgeschlachtet wurde. Im autobiographischen ersten Kapitel von ‚Slaughterhouse Five‘ schreibt er von seinem Wunsch, ein Buch über sein Trauma zu verfassen. Was folgt, ist ein absurder, abgründiger und abgefahrener Heilungsprozess, der mir selber ein wenig geholfen hat.

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Moana / Vaiana

moana

Polynesische Odyssee von Disney.

Eigentlich hat dieser Film hier nix zu suchen. Nicht, weil ich spät zur Party wäre (Dezember war viel los im Kino) oder weil Kinderfilme hier keinen Platz hätten (Übermenschen in Capes sind nur was für Erwachsene, ne?), sondern weil ich in meinen Popkultur-Artefakten das Anarchistische, das Unkonventionelle oder Innovative suche. Und Moana (oder Vaiana, wie wir Europäer sie dank Copyright-Gesetzen und einer gleichnamigen Pornodarstellerin nennen dürfen) ist viele Dinge, aber eben auch sehr konventionell. Wer in seinem Leben schonmal ein Märchen gelesen oder einen Disney-Film gesehen hat, kann ab Minute 10 den gesamten restlichen Film prophezeihen. Wäre man Zyniker, würde man es als überproduzierte und auf Vermarktbarkeit optimierte Massenware abtun. Wäre man Zyniker, würde man aber auch nicht mit Tränen in den Augen mitfiebern und noch Tage später heimlich den Soundtrack mitsummen.

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