Ghost: Popestar

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Satanische Power-Pop Cover-Extravaganza von Ghost.

Im Frühjahr schrieb ich anlässlich des verdienten Grammys über das großartige Hip-Hop-Musical Hamilton und erwähnte dabei das absolut titanisch geniale letzte Album der schwedischen Band Ghost, ‚Meliora‘, welches sich neben seinem Grammy auch einen festen Platz in meinen Lieblingsalben dieses Jahrtausends erobert hat. Das liegt neben dem unantastbaren Songwriting auch daran, dass Ghost eine Band mit einer klaren Botschaft ist – und damit meine ich noch nicht einmal ihre effektive Missionarstätigkeit für den Leibhaftigen, sondern vor allem die erfrischende Ansicht, dass gute Musik kitschig sein darf. Und Kitsch wird auf der neuen EP ‚Popestar‘ groß geschrieben, wenn obskure Fußnoten der Pop-Geschichte ausgegraben und in einer opulenten schwarzen Messe zelebriert werden.

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V for Vendetta

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Memetische Comic-Anarchie von Alan Moore & David Lloyd.

Die Weltpolitik steht in Flammen. Ich meine jetzt, in diesem Moment, da draußen, aber eben auch in diesem Comic-Band, der mir heute durch Zufall wieder in die Hände fiel. Und doch wirkte die Geschichte beim Durchblättern auf einmal befremdlich fern – aus einer anderen Ära eben. In den 80ern warnte Moore vor den faschistischen Tendenzen des Großbritanniens der Thatcher-Ära und machte zivilen Ungehorsam zu seinem Superhelden. 2005 verfilmten die Wachowskis das Material – sehr zum Zähneknirschen seines Autors – zu einer Kritik des Hurra-Patriotismus der Bush-Ära. Beiden Inkarnationen des Stoffes ist gemein, dass sie die nationalistischen Narrativen eines Überwachungsstaates angreifen, der seine Bürger durch Angst und eine Gleichschaltung der Medien unterdrückt. Aber warum fühlt sich das alles 10 Jahre später so merkwürdig an – nun, da die amerikanischen Präsidentschaftswahlen über Twitter ausgefochten werden, babyblaue Plakate Berlin schmücken und deine Facebook-Freunde anderer Leute Verschwörungstheorien teilen?

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Mordheim: City of the Damned

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Rundenbasierte Fantasy-Taktik für PC & Xbox One von Rogue Factor.

Von der einst so prächtigen Dekadenz der Stadt Mordheim zeugen heute nur noch Ruinen. Ein zweischweifiger Komet, das Omen des Sigmar, strafte die hedonistischen Sünder mit totaler Zerstörung. Doch in den verfluchten Trümmern der Stadt glimmt grüner Wyrdstein, welcher von den Reichen und Mächtigen der Alten Welt für seine magischen Eigenschaften heiß begehrt wird. So machen sich die selbstmörderischsten Halunken auf, in der buchstäblichen Hölle auf Erden reiche Männer zu werden: Denn in Mordheim wimmelt es nur so von Mutanten, Dämonen und Schatzräuber-Rivalen. Selbst wenn man diese Straßen wieder lebend verlässt, so tut man es sicher nicht in Vollbesitz aller geistigen Kräfte – oder Gliedmaßen.

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Black Science

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Interdimensionales Sci-Fi-Actiondrama von Rick Remender & Matteo Scalera.

Science Fiction lebt. Auch wenn die Anzahl an Sommer-Blockbustern mit Raumschiffen, Zeitmaschinen und Außerirdischen nie wirklich abgenommen hat, scheint der Fokus des Genres heute aber eher auf abgefahrener Action statt auf zerebralen Gedankenexperimenten zu liegen. Die entdeckerische Flamme traditioneller SF-Autoren brennt aber noch immer, zum Beispiel in Serien wie Doctor Who oder Rick and Morty, die den Zuschauer in jeder Episode in neue und vor Kreativität nur so strotzende Welten entführen. Vom gleichen Schlag ist auch Black Science, eine bei Image Comics erscheinende Reihe, die bis oben hin mit ideenreichen Bildern und Konzepten gefüllt ist.

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Stranger Things

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Lagerfeuer-Geschichte von den Duffer Brothers.

Im Jahr 1983 verschwindet ein Junge aus der verschlafenen Kleinstadt Hawkins, Indiana, spurlos. Seine drei besten Freunde, sein großer Bruder und seine Mutter begeben sich auf die verzweifelte Suche nach ihm – und stoßen dabei auf eine verworrene Verschwörung voller Monster und Superkräfte. Das ist Stranger Things, der neueste Netflix-Coup: Eine spaßig-gruselige Achterbahnfahrt durch die fantastische Welt der 80er-Nostalgie.

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Wie blöd ist Suicide Squad?

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Eine Flop 8 der Verfehlungen von Suicide Squad.

Eigentlich ist dieses kleine Stückchen Internet meine lauschige Insel der Positivität in einem Meer zynischer Internet-Kritiker. Ich schreibe hier über Dinge, die ich mag, um sie für mich genauer zu betrachten und anderen Menschen näher zu bringen. Dabei nehme ich auch gern mal Comic-Filme auseinander, die von Fans und Presse heftig umstritten wurden. Ich war vollständig bereit, mich auf Suicide Squad einzulassen. Leider entpuppte sich der Streifen relativ rasch als der unter Kritikern beschriebene Müllbrand. Ich denke aber, dass wir einiges aus den Fehlern von Suicide Squad lernen können. Hier also meine ganz persönliche Top-8-Liste:

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Preacher

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Ketzerischer Gothic-Western von Sam Catlin, Evan Goldberg & Seth Rogen.

Die Preacher-Comics von Garth Ennis und Steve Dillon (1995-2000) sind emblematisch sowohl für das Lebenswerk von Garth Ennis als auch für DCs Vertigo-Imprint: Die Inhalte sind anarchistisch, bitterböse und grenzüberschreitend, zeichnen sich aber auch durch ihren schwarzen Humor und eine filterlose Erkundung menschlicher Abgründe aus. Man möchte meinen, dass bei der Übersetzung zu einer Fernsehserie eine Menge geschnitten und zensiert werden muss, aber Pustekuchen: Die TV-Adaption ist genau so blutig und abgefuckt wie die seinerzeit schon hart umstrittene Vorlage – ein abgedrehter Höllentrip, aber wirklich nix für zartbesaitete oder gottesfürchtige Naturen.

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Mr. Robot

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Psychothriller (mit Hackern drin) von Sam Esmail.

Aus dem bodenlosen Fass voller Serien, die deine Freunde oder Internet-Communities dir empfehlen, für die du dir aber wegen des nicht besonders vielversprechend klingenden Klappentextes keine Zeit genommen hast, kommt auch Mr. Robot gekrochen – kein niedlicher Spielzeug-Roboter, sondern ein zeitkritischer Thriller über einen emotional verarmten und geistig zerrissenen Superhacker. Und so belanglos dieser Klappentext auch klingen mag, vielleicht solltest du Mr. Robot aufgrund seines packenden Arsenals an filmischen und erzählerischen Kniffen doch eine Chance in deinem Abendprogramm geben. Aber was habe ich dir schon zu sagen? Schließlich habe ich dich nur erfunden. Ich habe dich erfunden, um gegen das unbequeme Gefühl anzukämpfen, dass meine hastig getippten Produktrezensionen (wie wir beide wissen, lediglich hohle Akte der Selbstdarstellung) nicht einfach bedeutungslos in der Fülle aus Signalen in den sozialen Netzwerken untergehen. Lass uns also so tun, als ob. Mir zuliebe.

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Mad Max: Fury Road

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Endzeit-Chronik von George Miller.

Der im vergangenen Jahr erschienene Mad Max: Fury Road ist einer der seltenen Fälle, in denen der Schöpfer eines Genres nach Jahrzehnten ein Sequel dreht, welches nicht nur besagtes Genre neu definiert, sondern eben mal so auch die Originale in den Schatten stellt. Dabei war es nicht die simple Story oder die halsbrecherische Action, sondern vor allem das vor Kreativität und Detailverliebtheit nur so strotzende Welten- und Produktionsdesign, welches die Anerkennung des Publikums und die Würdigung durch zahlreiche Oscars sicherte. Autor und Regisseur George Miller hat über viele Jahre hinweg Ideen, Konzeptzeichnungen und Hintergrundgeschichten gesammelt, die nur am Rande oder in kurzen Andeutungen im finalen Film auftauchen – das Ergebnis ist eine postapokalyptische Märchenwelt, die sich bewohnt und real anfühlt, mit eigener Kultur und Geschichte. Die Figuren sind Produkte dieser Welt, gezeichnet und geformt durch sie. Da durch die Reduktion dieser Welt auf eine Laufzeit von zwei Stunden zwangsläufig eine Menge Material in den Konzeptbüchern blieb, entschloss sich George Miller, die Hintergrundgeschichten in einer Reihe von Comic-Kurzgeschichten zu erzählen.

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The Witcher 3: Wild Hunt

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Open World-Märchensammlung für PC, PS4 und Xbox One von CD Projekt RED.

Vor kurzem ist der finale Blood and Wine-DLC für The Witcher 3 erschienen – Grund genug für mich, dieses großartige Spiel nochmal auszupacken. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, wie beeindruckend es ist, dass eine unabhängige polnische Produktionsfirma durch eine riesige Menge Herzblut – und vermutlich mehrere Jahre an unbezahlten Überstunden – einen Titel auf die Beine gestellt hat, der selbst die größten Triple-A-Studios wie schlampige Amateure aussehen lässt. Wer bislang einen Bogen um dieses Spiel gemacht hat, weil das Werbematerial den Protagonisten wie regungslosen Actionheld Nummer 184 aussehen ließ oder weil die Zahl im Titel wie eine abschreckende Warnung aussah, schuldet es sich selbst, diese überraschend charakterstarke, liebevoll gestaltete und toll geschriebene Kurzgeschichtensammlung einmal näher anzuschauen.

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